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Ausstellung
+ – Introducing: The Crumb
HFBK boutique
In der Annahme, dass Sehen ein aktiver Akt ist, beschreibt Pythagoras mit dem „Sehstrahl“ in der griechischen Antike das Auge als Sender, dessen Vektoren die Wirklichkeit abtasten. Sehen ist für ihn eine produzierende Praxis. Die Ausstellung Introducing: The Crumb von Philine Mayr verschiebt diesen Gedanken in einen zeitgenössischen Bildkontext. Sie verhandelt die These, dass Sehen sowohl Erfassen von Welt als auch deren Hervorbringung ist. Damit verändert sich auch der Begriff von Perspektive als Ordnung eines äußeren Raums hin zu einer Projektion aus dem Inneren der Sehenden.
Die künstlerische Praxis von Mayr tastet die Bedingungen der Bildentstehung ab und untersucht, welche ästhetischen Entscheidungen Bilder hervorbringen und wie formale Kriterien deren Wahrnehmung bestimmen. Ihre Arbeiten beruhen auf der malerischen Auseinandersetzung mit einem wachsenden fotografischen Archiv. Oft sind es konkrete Bildausschnitte, denen sie sich in einer Mischung aus konzeptionell strukturiertem und „sehendem“ Vorgehen nähert. Im Fokus steht dabei die Untersuchung, wie Licht die Konstruktion und Wahrnehmung von (räumlicher) Sichtbarkeit und Körperlichkeit strukturiert.
In Introducing: The Crumb geht Mayr von einer spekulativen Setzung aus: Von einem festgelegten, unzugänglichen Punkt inmitten einer Säule an der äußeren Ecke des Ausstellungsraums erscheint das Auge als Projektionsapparat, vergleichbar mit einem Beamer, von dem aus sich Bilder in den Raum einschreiben. Die zentrale Arbeit, The Crumb (2026), erscheint so als Projektion eines inneren Bildes. Mayr denkt die physische Leinwand als durchlässige Bildoberfläche, hinter der sich die Bildinhalte verzerrt, verschoben und perspektivisch gebrochen an den Wänden des Raums fortsetzen.
Die Ausstellung verhandelt neben dem Verhältnis von Produktion, Rezeption und Illusion auch die Übersetzung zwischen Analogem und Digitalem, die unter anderem im 16:9-Format der Leinwand sichtbar wird. Angetrieben von einer auf einen Bildkern gerichteten Suchbewegung zerlegt Mayr die zentrale Arbeit der Ausstellung in ihre Bestandteile: Fläche, Farbe, Motiv. Die Wandmalereien gehen aus einer aktiven Reduktion hervor, in der Farbe reduziert und Plastizität zurückgenommen wird. Wenn das Auge als projizierend gedacht wird, lassen sie sich auch als Rückstände innerer Bilder lesen. Sie sind Fragmente dessen, was aus dem Inneren nach außen projiziert wird, ohne jemals vollständig zur Deckung zu kommen.
Philine Mayr, Introducing: The Crumb
Donnerstag23.04.26
Eröffnung
18:00 Uhr
Samstag02.05.26
Infoveranstaltung
Tea & Talk
Workshop
Open Workshop
Freitag08.05.26
Artist Talk
+ – Artist Talk mit Philine Mayr
moderiert von Anna Bochkova