Am gestrigen Eröffnungsabend der Graduate Show an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) wurden die überzeugendsten künstlerischen Abschlussarbeiten mit dem Karl H. Ditze Preis und dem HFBK-Filmpreis der JEF – Not a Foundation ausgezeichnet: Mehr als 200 Bachelor- und Mastergraduierte der Malerei, Bildhauerei, Zeitbezogenen Medien und des Bühnenraums, Designs, der Grafik/Fotografie sowie des Films präsentierten sich hierfür bei den Juryrundgängen.

Den Karl H. Ditze Preis für die beste Bachelor-Abschlussarbeit, dotiert mit jeweils 4.000 Euro, haben Hülya Braasch (B.F.A. bei Prof. Eva-Maria Bauer) und Daria Maiier (B.F.A. bei Pof. Simon Denny) gewonnen. Mit dem Karl H. Ditze Preis für die beste Master-Abschlussarbeit, dotiert mit 8.000 Euro, wurde Mark Morris (M.F.A. bei Prof. Simon Denny) ausgezeichnet. Mitglieder der Jury waren: Marie-Sophie Dorsch, Kuratorin Halle für Kunst Lüneburg | Louisa Elderton, Kunstkritikerin Berlin | Ramona Heinlein, Kunstkritikerin Wien | Martin Karcher, Kurator Kunstverein in Hamburg | Katrin Krumm, Kunstkritikerin Hamburg | Viktor Neumann, Kurator Bonner Kunstverein.

Den HFBK-Filmpreis der JEF – Not a Foundation, dotiert mit jeweils 5.000 Euro, haben Zhongxian He sowie Sandra Makhlouf (beide M.F.A. bei Prof. Angela Schanelec) erhalten, Nima Latifi (M.F.A. bei Prof. Omer Fast) wurde mit einer Lobenden Erwähnung bedacht. Der Jury gehörten an: Corinne Diserens, Kuratorin Sammlung Medien/Gegenwartskunst, Hamburger Kunsthalle | Nicola Jones, Förderleitung MOIN Schleswig-Holstein | James Lattimer, freier Filmkritiker und Filmkurator Berlin.

Zu den Begründungen:

Hülya Braasch (Prof. Eva-Maria Bauer) – Karl H. Ditze Preis für die beste Bachelor-Abschlussarbeit i.H.v. 4.000 Euro

Hülya Braasch hat mit ihrer Installation Love Game die immersive Umgebung eines Umkleidekabinen-Settings geschaffen, die die Komplexität von Liebe und Verlust einfühlsam thematisiert. Durch den Einsatz filigraner Materialien und kinetischer Elemente führt die Künstlerin das Publikum in ein hypnotisches Universum, das die doppelte Bedeutung des Wortes „Love“ im Tennisspiel aufgreift. In der Wechselwirkung zwischen der übergreifenden Szenografie sowie den darin enthaltenen Mikrogeschichten rund um die Liebe verweben sich Aspekte von persönlicher Identität, Klassenzugehörigkeit und wesentlichen Fragen, wie wir als Gesellschaft miteinander in Beziehung stehen.

Daria Maiier (Pof. Simon Denny) – Karl H. Ditze Preis für die beste Bachelor-Abschlussarbeit i.H.v. 4.000 Euro

Wohin verschwinden unsere Erinnerungen nach einer Katastrophe wie der von Tschernobyl, die womöglich unser Aussterben impliziert? Mit ihrer Videoarbeit DUGA.Ghost Computing (Loop, 5:15 Min) schafft Daria Maiier eine formal und thematisch dezidiert zeitgenössische Verhandlung langfristiger geopolitischer Konflikte und drängender Debatten über die Verantwortung gegenüber vergangenem und zukünftigem Leben. Ihre Verbindung konkreter historischer Referenzen mit fiktiv-mystischen Erzählungen verweist auf das Potential und die Aktualität des Mediums Gaming als spekulativen Möglichkeitsraum.

Mark Morris (Prof. Simon Denny) – Karl H. Ditze Preis für die beste Master-Abschlussarbeit i.H.v. 8.000 Euro

In seiner Installation The Trust in Others, the Lack of Faith in Me verhandelt Mark Morris zum Abschluss seines Masterstudiums die grundsätzliche Frage nach künstlerischer Autonomie auf ebenso humorvoll-subversive wie konzeptuell präzise Weise. Die Arbeit unterläuft die Vorstellung eines souveränen Künstler*innensubjekts, das seine Entscheidungen vollständig aus sich selbst heraus trifft, kontrolliert und verantwortet. Stattdessen rückt Morris Formen von Vertrauen, Kooperation, Delegation, Schicksal, Zufall und Abhängigkeit in den Mittelpunkt der künstlerischen Praxis.

Sandra Makhlouf (M.F.A. bei Prof. Angela Schanelec) – HFBK-Filmpreis der JEF – Not a Foundation i.H.v. 5.000 Euro

Im Kino zu lachen ist ein großes, zugleich aber seltenes Vergnügen. Deshalb war sich die Jury in ihrer Begeisterung für diese perfekt komponierte Komödie sofort einig. Mit einem eigenwilligen, trockenen Humor verweist Sandra Makhlouf dabei auf alltägliche Realitäten in Deutschland, die weit weniger komisch sind. Café Kometa (DE 2026) ist ein visuell präziser, bewusst zurückhaltender und außerordentlich vielversprechender Kurzfilm.

Screening Kino Fi: Sa, 11.7., 18:00 Uhr (Deutsch, Georgisch, Türkisch, UT: Englisch)

Zhongxian He (M.F.A. bei Prof. Angela Schanelec) – HFBK-Filmpreis der JEF – Not a Foundation i.H.v. 5.000 Euro

Der Film Unnatural (DE 2026) von Zhongxian He beginnt mit dem Suizid eines Erblindeten. Nachdem er von einer Brücke gesprungen ist, vergeht seine Seele nicht vollständig, sondern verweilt in der Stadt, wo sie der chinesischen Erdmutter Houtu begegnet. Dieser Film von großer sinnlicher Präsenz bewegt sich gleichermaßen durch urbane Landschaften und die Welt jenseits davon. Mit bemerkenswerter formaler Kühnheit im Umgang mit Dauer, Klang und Erzählweise verbindet er visuelle Wahrnehmung mit metaphysischen Fragestellungen und erweitert die Grenzen des Kinoerlebnisses.

Screening Kino Fi: So, 12.7., 20:15 Uhr (Mandarin, UT: Englisch)

Nima Latifi (M.F.A. bei Prof. Omer Fast) – Lobende Erwähnung

Die besondere Erwähnung der Jury gilt dem Film Where Butterflies Sleep (DE 2026) von Nima Latifi, der außergewöhnliches Archivmaterial mit gegenwärtig aufgenommenen Bildern aus Afghanistan verbindet und daraus einen klugen, berührenden und visuell eindrucksvollen Essayfilm entwickelt. Dieses intime Werk lässt Persönliches und Politisches auf eindringliche Weise ineinanderfließen und erzählt die Geschichte eines Landes, das auf der Kinoleinwand bislang kaum präsent war – wodurch seine Perspektiven umso wertvoller erscheinen.

Screening im Kino Fi: Sa, 11.7., 12:30 Uhr (Persisch (Dari), UT: Englisch)