Otobong Nkanga erhält den mit 20.000 Euro dotierten Finkenwerder Kunstpreis 2026, Finkenwerder Förderpreis der HFBK Hamburg geht an Leyla Yenirce
Mit Otobong Nkanga erhält eine der aktuell gefragtesten Künstlerinnen weltweit die höchstdotierte Kunstauszeichnung Hamburgs: den Finkenwerder Kunstpreis 2026. Die öffentliche Preisvergabe erfolgt am 21. Mai 2026 im Rahmen einer Ausstellung an der Hochschule für bildende Künste Hamburg – eine einmalige Gelegenheit, Otobong Nkangas Werk in der Hansestadt kennenzulernen. Parallel wird Leyla Yenirce mit dem Finkenwerder Förderpreis der HFBK Hamburg in Höhe von 10.000 Euro ausgezeichnet. Zur Preisvergabe präsentieren sich beide Künstlerinnen in Soloshows im ICAT.
Hauptpreis für Otobong Nkanga
Mit Einzelausstellungen im MoMA New York und der Tate Modern London oder der beeindruckenden Überblicksschau, die aktuell im Musée d’Art Moderne de Paris zu sehen ist, gehört Otobong Nkanga (geboren 1974 in Kano, Nigeria) zweifelsohne zu den international renommiertesten Künstlerinnen unserer Zeit. Davon zeugen auch ihre Beteiligungen an nahezu allen weltweit wichtigsten Kunstbiennalen wie der 58. Biennale di Venezia, der 14. documenta in Kassel und Athen, der 14. Sharjah Biennale oder der 36. São Paulo Biennale in diesem Jahr.
Im Zentrum von Otobong Nkangas Kunstpraxis steht die Beziehung des Menschen zur Erde und zu den Materialien, die er ihr entnimmt – von Pflanzen und Samen bis zu seltenen Erden und Mineralien. Ausgehend von der Annahme, dass keine Energie je verloren geht, sondern umgewandelt wird und in anderer Form weiterbesteht, beschreibt die Künstlerin in ihren Zeichnungen, Aquarellen, Installationen, großformatigen Wandteppichen und Performances Metamorphosen des Seins. Sie ist dabei kritische Beobachterin des Anthropozäns mit all seinen negativen Implikationen und zeigt zugleich auf, wie anpassungsfähig die Natur ist und dass die Erde am Ende auch ohne den Menschen weiter existieren wird. Durch ihre Auseinandersetzung mit indigenem Wissen sowie mit den Architekturen und Mythologien des afrikanischen Kontinents wirft Otobong Nkanga eine kritische Perspektive auf tradierte europäische Denkmuster und aktuelle politische Entwicklungen im globalen Norden – und setzt diesen eine Suche nach alternativen Ökonomien und Gesellschaftsformen entgegen.
Jurymitglied Kader Attia: „Mit Otobong Nkanga ehren wir eine Künstlerin, die uns mit ihrer vielschichtigen, poetischen Arbeit in den Bann zieht. Insbesondere, wenn sie Teile ihrer Werke in Performances aktiviert – durch Musik, Bewegung, Energie. Ihr Körper wird zum Medium und schafft eine einzigartige Verbindung von Kunst, Raum und Leben.“
Förderpreis für Leyla Yenirce
Leyla Yenirce (geboren 1992 in Qubîn, Kurdistan) hat 2022 bei Jutta Koether an der Hochschule für bildende Künste Hamburg ihren Masterabschluss gemacht und ist bereits mit dem Kunstpreis Berlin 2024 und dem ars viva Preis 2022 für ihr künstlerisches Werk ausgezeichnet worden. Ihr Arbeiten waren zuletzt u. a. im n.b.k., Berlin (2025), Museum Folkwang, Essen (2024), in den Deichtorhallen. Falckenberg Collection, Hamburg (2024) und in der Kunsthalle Münster (2024) zu sehen. Eine Einzelpräsentation im Landesmuseum Oldenburg ist für 2026 in Vorbereitung.
In ihrer künstlerischen Praxis beschäftigt sich Leyla Yenirce multimedial mit Repräsentation von Widerstand sowie kulturellen, medialen und militärischen Dominanzstrukturen. Dafür sammelt sie digitales und analoges Bildmaterial, das sie in ihrer interdisziplinären Arbeit mal mehr mal weniger offensichtlich einbindet. Ihr Bildarchiv zeugt von der weit verbreiteten Zirkulation von Bildern, die Frauen im Widerstand zeigen, und deutet gleichzeitig auf ihre eigene, von den Medien geprägte Beziehung zu ihrem Geburtsland Kurdistan hin. In ihren Kompositionen, aufwendigen Installationen, Videoarbeiten, Performances und Gemälden wendet sie virtuos unterschiedliche Methoden des Samplings, des Schichtens, des Collagierens an und reagiert somit auf das verwendete Material. Yenirce wird als Kulturtheoretikerin, Filmemacherin, Musikerin, Malerin, Performerin und Installationskünstlerin beschrieben, die in ihrer künstlerischen Praxis alle genannten Medien miteinander verbindet.
Jurymitglied Yalda Afsah: „Leyla Yenirce schafft eindringliche visuelle und akustische Resonanzräume, die kollektive wie persönliche Geschichten anklingen lassen und in denen Gewalt, Widerstand und Erinnerung gleichzeitig spürbar werden. Wir würdigen eine Künstlerin, die den präzisen Einsatz ihrer Medien beherrscht und Beobachtung in sinnlich erfahrbare Spannung verwandelt.“
Der Jury zur Bestimmung der Preisträgerinnen 2026 gehörten in diesem Jahr an: Yalda Afsah, Professorin HFBK, Kader Attia, Professor HFBK, Martin Karcher, Kurator Kunstverein in Hamburg, Martin Köttering, Präsident HFBK, Ina Günther und Kerstin Loeffler, Kulturkreis Finkenwerder e.V. sowie Jessica McClam, freie Künstlerin, Hamburg.
Der Finkenwerder Kunstpreis, initiiert durch den Kulturkreis Finkenwerder e.V., wird alle zwei Jahre an eine international herausragende Künstlerpersönlichkeit verliehen, die mit ihrem Schaffen maßgeblich aktuelle Kunstdiskurse prägt. Zur Reihe der Ausgezeichneten gehören so namhafte Persönlichkeiten wie Georges Adéagbo, Renée Green, Candida Höfer oder Christian Jankowski und Julia Scher. Seit 2022 wird der Preis in Kooperation mit der Hochschule für bildende Künste Hamburg vergeben, ergänzt durch einen Förderpreis für Graduierte der HFBK. Die Airbus Operations GmbH finanziert die Preise einschließlich Ausstellung und Publikation.
(26.10.2025)