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Symposium
From Environment to Mitwelt
14:00 Uhr Aula der HFBK Hamburg
Silke van Dyk, Folke Köbberling, Atelier LeBalto, Loraine Leeson, Katja Lonzeck, Sasha Perera, Tilman Walther, Sabine Zahn, Daniela Zyman
Ein Symposium über öko-soziale Weltgestaltung
Studienschwerpunkt Design, HFBK Hamburg
Sprache: Deutsch/Englisch
Eintritt frei
Design ist gesellschaftlich wirksam. Es produziert und ändert die Welt, in der wir leben. Die sozialen und ökologischen Folgen dieser schwerwiegenden Praxis begegnen uns heute als Krise der Demokratie und als Umweltkatastrophe. Diese dramatische Gleichzeitigkeit erfordert es, die Wirklichkeit nicht lediglich als äußerliche Umwelt zu begreifen, die uns umgibt, sondern als ein Geflecht aus Menschen, Organismen, Politiken und Dingen, in das wir eingebunden sind.
Wie sähe ein relationales Verständnis von Mitwelt aus, in dem ökologische Verantwortung untrennbar mit sozialer Gerechtigkeit verbunden ist? Wie kann Gestaltung an den mitweltlichen Beziehungen sanft partizipieren und sich darin parteiisch verorten?
Gemeinsam mit Gäst*innen aus Kunst, Soziologie, Design, Architektur, Performance, Aktivismus und Theorie diskutieren wir Möglichkeiten öko-sozialer Praxis, unsere Gegenwart als Mitwelt zu erschließen, zu ertragen und zu verwandeln.
Teilnehmer*innen: Silke van Dyk (Jena), Folke Köbberling (Braunschweig), Atelier LeBalto (Berlin), Loraine Leeson (London), Katja Lonzeck (Hamburg), Sasha Perera (Berlin / London), Tilman Walther (Hamburg), Sabine Zahn (Berlin), Daniela Zyman (Wien)
Konzipiert von Friedrich von Borries, Johanna Dehio, Anne Femmer, Jesko Fezer und Anne Duk Hee Jordan.
Im Rahmen des Symposiums findet der Workshop „Körperliche Raumproduktion“ statt, zu dem sich Interessierte hier anmelden können.
Grafik: Marcel Louis, Klasse Ingo Offermanns
Das Konferenzprogramm setzt sich aus fünf aufeinander bezogenen Blöcken zusammen:
MhVkTwadWELTe (oder: Manchmal haben Vorträge keinen Titel, wollen aber die WELT erklären)
Vortrag Friedrich von BorriesWelt, Umwelt, Mitwelt. Große Worte. Wie kann man darüber nachdenken, wenn man nicht Philosophie betreibt, sondern Designtheorie? Was ist der spezifische Zugriff dieser Disziplin? Und was hat „Welt“ mit der Abgrenzung von dem „Globalen“ von dem „Planetarischen“ zu tun? Vor dem Hintergrund seiner Bücher „Weltentwerfen. Eine politische Designtheorie“ und „Architektur im Anthropozän. Eine spekulative Archäologie“ und eines neuen Forschungsprojektes mit dem Arbeitstitel „Holy Shit“ denkt Friedrich von Borries laut über die Grenzen und Möglichkeiten von Design, Designgeschichte und Designtheorie im Angesicht der globalen Transformationsprozesse nach.
In Kontakt treten – Practicing Beginnings
Workshop und performative Situation Johanna Dehio, Sabine Zahn, Tilman WaltherAusgehend von der Arbeit im Grundlagenjahr an der HFBK wird Gestaltung als offener, forschender Prozess verstanden, der aus Beobachtung, Experiment und Austausch entsteht. Im Mittelpunkt stehen die Bedingungen des Beginnens: Wie kommen wir miteinander in Kontakt? Wie entstehen Vertrauen, gemeinsame Handlungsfähigkeit und Verantwortung? Wie wird aus einem offenen Prozess eine Praxis – und wie positioniert sie sich in sozialen und ökologischen Zusammenhängen? Was gilt es zu lernen oder zu verlernen und wie können wir selbst handeln, statt Positionen zu reproduzieren? Gemeinsam mit Sabine Zahn und Tilman Walther untersucht der Beitrag Umweltgestaltung als relationale Praxis zwischen Körper, Raum und Öffentlichkeit. Das Symposium wird zum gemeinsamen Erfahrungsraum: Denken wird nicht als rein sprachlicher Vorgang begriffen, sondern als räumliche und körperliche Praxis. Die Teilnehmenden sind aktive Mitwirkende; gemeinsame Leitfragen verbinden Gäste und Publikum im Denkprozess.
Von innen heraus
Talk and Debate Anne Femmer, Folke Köbberling, Atelier LeBaltoDas vergangene Jahrhundert hat uns zu Meister*innen des distanzierten Gestaltens gemacht: Die Trennung von (intellektuell-kreativem) Denken und (physisch-materiellem) Tun machte Gestaltung planbar, delegierbar und monetär „handelbar“. Dieses Konzept der Abstraktion stößt nun an seine Grenzen. Nicht zuletzt der Neue Materialismus hat die Vorstellung einer passiven und beliebig formbaren Welt infrage gestellt und den Blick auf die vielfältigen Verflechtungen zwischen Menschen, Materialien und Umwelten gelenkt. Die „Planbarkeit“ trifft heute auf eine zunehmend fragmentierte, zerbrochene und reparaturbedürftige Welt, die sich kaum aus der Distanz erfassen – geschweige denn gestalten – lässt.
Um handlungsfähig zu bleiben, verlassen Gestalter*innen wie Folke Köbberling und das atelier le balto immer wieder ihre Professionsgrenzen und mischen sich praktisch-handelnd in „Realitäten“ ein. Gemeinsam diskutieren wir das Potenzial eines Entwerfens von innen heraus: aus größter Nähe zu Stoffströmen, Werkzeugen und Praktiken der Transformation.
How to Postpone the End of the World (Arbeitstitel)
Klangintervention und Gespräch Anne Duk Hee Jordan, Sasha Perera, Daniela ZymanAusgehend von den Gedanken Ailton Krenaks versammelt diese Veranstaltung Perspektiven aus Kunst, kuratorischer Praxis und Klang. Krenak ist ein indigener Denker, Schriftsteller, Umweltaktivist und eine wichtige politische Stimme Brasiliens. Er gehört dem Volk der Krenak an, das im Gebiet des Rio Doce lebt, einem Fluss, der durch eine der schwersten Umweltkatastrophen Brasiliens vergiftet wurde. In seinen Büchern kritisiert er die Vorstellung, der Mensch stehe außerhalb oder über der Natur. Stattdessen versteht er Flüsse, Berge, Tiere und Pflanzen als lebendige Verwandte und als Teil einer gemeinsamen Welt.Gemeinsam mit Daniela Zyman und Sasha Perera fragen wir, wie sich unser Verständnis von Umwelt hin zu einer Mitwelt verschieben lässt, einer Welt, in der Menschen, Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen und Technologien in gegenseitigen Abhängigkeiten leben. Zwischen Gespräch, Klang und gemeinsamer Reflexion geht es um alternative Formen des Zusammenlebens, um Zuhören als Praxis und darum, wie Kunst neue Beziehungen zur lebendigen Welt eröffnen kann.
The Politics of Community Design
Statements und Diskussion Jesko Fezer, Silke van Dyk, Loraine LeesonUmwelt ist natürlich immer auch (und vielleicht sogar vor allem) gesellschaftliche Mitwelt. Was uns verbindet und trennt, sind direkte wie vermittelte soziale Praktiken, aber auch materialisierte, subjektivierte und institutionalisierte gesellschaftliche Anordnungen. Ihre Gestaltung verteilt Möglichkeiten und Ausschlüsse, Überfluss und Mangel, Macht und Ohnmacht. Für eine ebenso kritische wie praktische Auseinandersetzung mit diesen wirkmächtigen Zusammenhängen braucht es neue Zugänge zur sozialen Mitwelt der Gestaltung: andere Akteur*innen als die üblichen müssen zu Partner*innen von Gestaltungsprozessen werden. Doch sind lokale Gemeinschaften geeignete Ausgangspunkte, um die soziale Wirklichkeit gestalterisch zu bearbeiten? Wie können wir uns mit denen gemein machen, die bereits begonnen haben, sich dagegen zu engagieren? Gemeinsam mit der Community-Art Pionierin Loraine Leeson und der Soziologin Silke van Dyk soll erörtert werden, wie ein emanzipativer Bezug von Gestaltung zu lokalen Nachbarschaften aussehen kann und welche Fallen neoliberale Politik dafür aufgestellt hat.