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Hybridwesen

„Klasse, das ist eigentlich ein Begriff, der heute nicht mehr verwendet wird.“ Das war die Einleitung von Bettina Steinbrügge zur Ausstellung Klassenverhältnisse, anlässlich des Stadtspaziergangs „feminist sights“, organisiert von femrep am vergangenen Sonntag. Dass dieser Begriff nicht mehr verwendet wird, ist eine steile These und ich glaube, da wurde zu schnell von der Sprache des Kunstbetriebes oder der spezifischen Sprache von Bettina Steinbrügge auf alle anderen geschlossen. Dieser Begriff hat immer noch Aktualität und findet sich als Streitbegriff in vielen Alltagskämpfen wieder. Die Definitionen von Klassenzugehörigkeiten sind nur vielleicht komplizierter geworden und es gibt an den jeweiligen Rändern oft unscharfe Übergangszonen. Das besondere Interesse vieler Akteur_innen der Kunst an der Genese des Proletariats liegt vielleicht auch an der eigenen uneindeutigen Klassenprovenienz. In der traditionellen Klassenerzählung gehören die Künstler_innen zum Kleinbürgertum, einem Hybridwesen, das zwar über eigene Produktionsmittel verfügt, jedoch nicht allein von der Arbeit seines Kapitals leben kann. Im „besten Fall“ ein mittelständisches Unternehmen mit Investitionspotenzial, vgl. Olafur Eliasson, im „schlimmsten Fall“ als fahrende Handwerksdienstleistung aus dem Koffer. Dem Begriff des Kleinbürgertums haftet ein spießbürgerlicher Makel an - und so leben viele im identitären Spagat zwischen proletarischer Authentizität und großbourgeoisem Glamour, zwischen DHL Jacke und Champagnerfrühstück. Viele mit mir befreundete Künstler_innen sind hoch verschuldet, durch die Menge an Reisen und Dinners und Eintrittskarten zu Veranstaltungen, bei denen sie als eloquente Agent_innen für ein Leben in armutsähnlichen Zuständen gebraucht werden. Sie kommen dafür eher in Frage als die Arbeiter_innen der Fabriken, bringen vor allem nicht gleich eine Gewerkschaft mit und sind als Einzelpersonen kaum mobilisierungsmächtig, verstehen aber die sozialen Codes und Metaphern der einladenden Klasse. Dies ist keine abgeschlossene Analyse und die zeitlichen Transformationen einer Klassengesellschaft ließen sich hier unendlich weiterführen. Auch die Definition von Produktionsmitteln in einer informellen Wirtschaft müsste einer Aktualisierung unterzogen werden. Ich glaube nur, um wieder zum Anfang zu kommen, es ist durchaus sinnvoll, den Begriff der Klasse nicht als historischen abzutun oder ihn als reinen Widerstreit zwischen Proletariat und Kapital zu vereinfachen. Es gibt eben keine Position außerhalb von Klassenverhältnissen.

https://rhizome.hfbk.net/p/136848


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Social Design, as its own claim is often formulated, wants to address social grievances and ideally change them. Therefore, it sees itself as critical of society – and at the same time optimizes the existing. So what is the political dimension of Social Design – is it a motor for change or does it contribute to stabilizing and normalizing existing injustices?