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Folgenlosigkeit. Ein hybrides Lernformat der HFBK Hamburg

Alle Welt redet von Nachhaltigkeit. Aber ist „Nachhaltigkeit“ wirklich das richtige Gedankenmodell? Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie an der HFBK Hamburg) stellt vor dem Hintergrund der Erfolglosigkeit der Nachhaltigkeitsdebatten der letzten 40 Jahre die Frage, ob die Suche nach „Folgenlosigkeit“ ein sinnvolleres Handlungsparadigma sein könnte.

Dazu sammelt er reale und fiktive Geschichten von Menschen, die versuchen, ein möglichst folgenloses Leben zu führen. Im Rahmen der GLOBART Academy Wien stellt er anhand fiktionaler Geschichten mögliche Handlungsmodelle vor. Bei mehreren Festessen mit ca. 10-20 Gästen werden diese Handlungsmodelle gemeinsamen diskutiert, ergänzt und erweitert.

Im Rahmen der GLOBART Academy werden Lectures und Installationen von renommierten Forscher*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen gestaltet, die zum Diskutieren und Vernetzen einladen. Die auf drei Jahre angelegte Reihe LEBEN MACHT SINN setzt es sich zur Aufgabe, einen LebensRaum zu schaffen, an dessen Entstehung alle Teilnehmer*innen mitwirken und der eine Begegnung unterschiedlicher Menschen, Disziplinen, Perspektiven ermöglicht. Das Ziel der GLOBART Academy ist, Menschen zu inspirieren, aktiv zu werden und die Zivilgesellschaft zu stärken.

Die Diskussionsrunden werden von dem Filmemacher Jakob Brossmann aufgenommen und können im Livestream mitverfolgt werden. Gleichzeitig fließen sie in das derzeit entstehende, genreübergreifende Kunstprojekt „Archiv der Folgenlosigkeit“ ein. Das Archiv besteht aus Filmen, einer Ausstellung und einem Roman.

Teilnehmer*innen der Hamburg Open Online University (HOOU) können über eine für das Projekt erstellte Webseite die Diskussionsrunden live verfolgen und Vorschläge für weitere „Feste der Folgenlosigkeit“ in Hamburg einbringen. Dazu können sie sich im digitalen Raum zu Gruppen zusammenschließen, vernetzen und dann konkret vor Ort aktiv werden. So werden die fiktiven Entwürfe in reale Geschichten von Menschen überführt, die tatsächlich folgenlos leben. Dadurch wird die globale Diskussion auf eine lokale Ebene gebracht und zu direkter Teilhabe aufgerufen. Die Aufzeichnungen und Ergebnisse dieser lokalen Festessen fließen wiederum in das Gesamtprojekt ein.

Termine der Festessen

Abschied vom Erfolg (11. Oktober 2019, 18:30/19 Uhr)
Die kapitalistische Gesellschaft basiert auf Folgenhaftigkeit, lebt vom „Erfolg“. Wie sähe ein Leben aus, in dem wir auf Erfolg verzichten – und welchen Preis müssen wir dafür zahlen? Die fiktive Geschichte erzählt von einem Liebespaar, einem Aussteiger und einer erfolgreichen Werberin. Er lebt in einer Hütte im Wald, sie versucht, ihren CO2-Verbrauch durch Baumpflanzungen zu kompensieren. Fast scheint es, als könnten sie die Widersprüche unserer Ökonomie überwinden – bis ihr Idyll, der Wald, der ihre Sünden speichert, in Flammen aufgeht.
Mit Christa Müller (Anstiftung), Jörg Petzold (Haus Bartleby), Jan Groos (Future Histories), Herbert Dreiseitl (Landschafts Architekt, Artist, Urban Design, Gründer Atelier Dreiseitl, RSD)
Es kocht: Tobias Judmaier - Iss mich

Freiheit oder Instrumentalisierung (12. Oktober 2019, 12:30 Uhr)
Kunst ist frei und darf deshalb auch folgenlos bleiben. Wie geht Kunst mit den zunehmenden Instrumentalisierungsanforderungen um? Die fiktive Geschichte stellt einen Kurator vor, der vor einer wichtigen Lebensentscheidung steht. Ihm wird angeboten, im Auftrag eines großen Industriekonzerns ein „Museum für ökologische Kunst“ einzurichten. Was ist stärker: der Versuch der Instrumentalisierung, das „Greenwashing“ oder die der Kunst eigenen Freiheit, über gesellschaftliche Probleme und Herausforderung auf ganz eigene Art nachzudenken?
Mit Tim Voss (Kunsthaus Wien), Wolfgang Zinggl (Kulturwissenschafter, Künstler), Rosemarie Lukasser (Künstlerin), Marianne Dobner (Kuratorin mumok)
Es kochen: Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter (Honey & Bunny)

Nicht-Handlung als neue Form der Produktivität (17. Oktober 2019, 12:30)

Ein Ausweg aus dem Handlungsdruck der Gegenwartsgesellschaft ist die Verweigerung. Nichtstun kann aber auch produktiv sein, weil sie überflüssiges vermeidet. Wie sähe eine künstlerische und gestalterische Praxis der absichtlichen Unterlassung aus? Die fiktive Geschichte erzählt von einem Architekten, der sein Büro schließt, um in Zukunft Bauherren bei der Vermeidung von Neubauten zu beraten.
Mit Harald Gründl (Designer, Eoos), Gabriele Fischer (Brand Eins), Annette Südbeck (Kuratorin, Secession), Michael Fleischhacker (Herausgeber Factum – das wöchentliche Politikmagazin)
Es kocht: klosterneuburg hilft, Bürgerinitiative für Asylwerber

Radikale Entsagung als Lebenshaltung (18. Oktober 2019, 19:30 Uhr)

Verzicht fällt schwer. Aber ohne Verzicht wird es keine nachhaltige Zukunft geben. Wie sieht eine Kultur des Verzichts aus - und wo liegt die Grenze der Entsagung?
Die fiktive Geschichte erzählt von einer Frau, die eine neue Bewegung der Gebärverweigerinnen gründen will, aber versehentlich schwanger wird.
Mit Claudia Langer (Generationen-Stiftung), Jakob Lena Knebl (Künstlerin), Eva Horn (Literaturwissenschaftlerin, Uni Wien), Christoph Wonneberger (evangelischer Theologe).
Es kocht: Leo Wrenkh