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Topos Atelier. Werkstatt und Wissensform

Eine Tagung der Hochschule für bildende Künste Hamburg und des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Hamburg

"Bis in die Gegenwart hinein erscheint das Künstleratelier als eine geheimnisumwobene Stätte, in die vorzudringen nur Eingeweihten erlaubt ist. Ateliergeheimnisse, die zu hüten sind, mag es auch heute noch geben. Ein anderer Grund jedoch, weshalb diese zentrale Einrichtung des künstlerischen Schaffens und Austauschs immer noch ein recht unbekannter Ort der Kunst ist, hat mit seiner mangelnden Erforschung zu tun. Sieht man einmal von der großen Zahl wissenschaftlicher Untersuchungen zum Thema Atelierbild ab, so stellt die Institution und Instanz Atelier selber eher eine Terra incognita der Kunstgeschichte dar. Atelierdarstellungen in Malerei, Zeichnung oder Druckgrafik gibt es seit dem ausgehenden Mittelalter zuhauf. Sie gewähren als Zeugnisse Einblick in die Arbeitsräume und Arbeitsabläufe der Maler und Bildhauer und verbinden in der Regel dokumentarische Züge mit Aspekten der Inszenierung, Repräsentation, Kritik oder Kunsttheorie. Darüber hinaus unterrichten schriftliche Quellen, darunter auch zahlreiche literarische Schilderungen, über Formen, Funktionen und Ausstattung dieses nobilitierten Arbeitsplatzes, der sich im Laufe der Jahrhunderte von der Werkstatt des Künstlerhandwerkers zum Atelier des Hofkünstlers und Studio des modernen (Ausstellungs-)Künstlers gewandelt hat. Anhand der genannten Bildquellen und Daten sind insbesondere von einer sozial- und wirtschaftsgeschichtlich orientierten Kunsthistorie für einzelne Epochen detaillierte Rekonstruktionen der Arbeitsräume sowie der Arbeitsvorgänge und - zusammenhänge erstellt worden. Eine andere Forschungslinie ist von der stärker kunsttheoretisch und werkgeschichtlich interessierten Kunstgeschichte aus gezogen worden, indem entlang dem genannten Material Fragen nach Künstlerrollen oder Kunstauffassungen beantwortet werden konnten.

Dennoch gibt es weiterhin zentrale weiße Flecken bei der historischen wie theoretischen Bestimmung des Gegenstandes. Sieht man das Atelier nicht nur als Ort der konkreten Fabrikation einzelner Werke, sondern auch als Ort der „Fabrikation von Ideen“ (Carl Einstein) an, oder anders gesagt, der Transformation von Wissen in Kunst und vice versa, dann öffnen sich neue Forschungsfelder. Nach Ansätzen zur kritischen Reflexion des Ateliers bei den Surrealisten hat wohl vor allem die Krise des klassischen Ateliers seit den 1960er Jahren einen neuen Blick auf das Atelier forciert. Zum einen haben das sich wandelnde Künstlerselbstverständnis und neue Kunstkonzepte, in denen der zugleich akademisch wie mythisch besetzte Ort bewusst verabschiedet wurde, dazu beigetragen. Zum anderen sind daran die neuen Technologien und künstlerischen Verfahren beteiligt, die eher eine Dunkelkammer, ein Labor, einen Schnittplatz oder die Straße verlangen als einen vom Nordlicht erfüllten Raum. In der Wendung „Topos Atelier“ soll diese erweiterte Perspektive anklingen, indem darin der konkrete Raum der Kunst ebenso wie der abstrakte Ort der Kunst, demnach die Werkstatt sowie das Wissensforum Atelier und dessen Wissensformen einbegriffen sind. Im Zentrum steht jetzt nicht mehr vornehmlich das Atelierbild, sondern das Atelier als Ort und als Modell künstlerischer Produktion, wie es sich in den letzten hundert Jahren entwickelt und verändert hat. Grundsätzlich ist zu fragen, inwieweit es das Atelier als bedeutsamen Ort und als Modell künstlerischer Produktion in Zeiten, in denen mit der Foto, Film- oder Videokamera und dem Computer als Werkzeugen gearbeitet wird, überhaupt noch gibt. Wozu also dient das Atelier heute, bzw. welche Funktion(en) hat es im Laufe des 20. Jahrhunderts übernommen und heute noch inne, welche hat es verloren oder neu hinzugewonnen, welche neuen und anderen Orte besetzt es und über welche Potentiale verfügt es. Es ist vor allem die zeitgenössische Kunst selbst, die sich mit der Institution und Tradition des Ateliers verstärkt auseinander setzt und Facetten seiner Rolle thematisiert. Um nur einige Beispiele zu nennen: Jason Rhoades vergleicht das Atelier mit der Garage eines Heimwerkers; Thomas Hirschhorn fächert das Atelier in eine Art Idealstadt auf, die vor allem Jugendlichen Möglichkeiten zu produktiver Gestaltung bietet („Bataille Monument“); Rirkrit Tiravanija transloziert das New Yorker Atelier in den Kölner Kunstverein und heißt dort während der Ausstellungsdauer das Publikum Tag und Nacht willkommen; Paul McCarthy lässt sein Atelier mit dem gesamten Inventar von Kalifornien nach St. Gallen verbringen, wo es als Skulptur gezeigt wird („The Box“); Thomas Demand baut das Atelier von Jackson Pollock nach und bringt es in einem fotografischen Tableau neu zur Geltung; Bruce Nauman filmt per Nachtsichtgerät sein fast leeres Studio, in dem Katzen und Mäuse ihr Wesen treiben, und präsentiert diese Aufnahmen in einer Installation mit dem Titel „Mapping the Studio“. Konzeptuell lässt sich das Atelier in zweifacher Hinsicht als Schnittstelle zwischen künstlerischer und gesellschaftlicher Produktion, zwischen Privatheit und Öffentlichkeit verstehen. Zum einen wird gesellschaftliches Wissen, sei es in Form von Bildungsgut und Fantasien oder von Instrumenten und Techniken eingesetzt und im künstlerischen Prozess transformiert. Wenn das Atelier zum anderen weniger als konkreter Ort denn als Teil des Werkprozesses verstanden wird, dann gehört in diesen Zusammenhang auch dessen Abschluss, demnach das Produkt und Ergebnis, das hier dem Publikum, Käufer, Sammler oder Kritiker erstmals gegenübertritt. Von hier speist es sich erneut in die verschiedenen Diskurse, darunter auch den Kunstdiskurs ein. Insofern ist das Atelier ein Modell der Transformation von handwerklichem Können und gesellschaftlichem Wissen in Kunst respektive von Ideen in Anschauung oder Bilder. Ziel der Tagung ist es, neue Formen und Funktionen des Künstlerateliers in der Moderne und Gegenwart zu diskutieren und das Atelier als Modell des Transfers von Kunst und anderen Wissensformen zu befragen." – Michael Diers/Monika Wagner

Die Tagung wird gefördert von der Fritz-Thyssen-Stiftung, Köln.

Freitag, 3. Februar 2006

14 Uhr

16.30 Uhr

19 Uhr

  • Wolfgang Ullrich, München: "Die Inszenierung des Ateliers, oder: Wie sieht Kreativität eigentlich aus?“

Samstag, 4. Februar 2006

10 Uhr

14 Uhr

16.30 Uhr

Jahresausstellung 2021: Studio Konzeptionelles Design (Prof. Ralph Sommer)

Jahresausstellung 2021: Studio Konzeptionelles Design (Prof. Ralph Sommer)

Annual Exhibition 2022 at the HFBK

After last year's digital edition, the 2022 annual exhibition at the HFBK Hamburg will once again take place with an audience. From 11-13 February, students from all departments will present their artistic work in the building at Lerchenfeld, Wartenau 15 and the newly opened Atelierhaus.

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; photo: Ort des Gegen e.V., VG-Bild Kunst Bonn

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; photo: Ort des Gegen e.V., VG-Bild Kunst Bonn

Conference: Counter-Monuments and Para-Monuments.

The international conference at HFBK Hamburg on December 2-4, 2021 – jointly conceived by Nora Sternfeld and Michaela Melián –, is dedicated to the history of artistic counter-monuments and forms of protest, discusses aesthetics of memory and historical manifestations in public space, and asks about para-monuments for the present.

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; photo: Charlotte Spiegelfeld

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; photo: Charlotte Spiegelfeld

Diversity

Who speaks? Who paints which motif? Who is shown, who is not? Questions of identity politics play an important role in art and thus also at the HFBK Hamburg. In the current issue, the university's own Lerchenfeld magazine highlights university structures as well as student initiatives that deal with diversity and identity.

Grafik: Tim Ballaschke

Grafik: Tim Ballaschke

Start of semester

After three semesters of hybrid teaching under pandemic conditions, we are finally about to start another semester of presence. We welcome all new students and teachers at the HFBK Hamburg and cordially invite you to the opening of the academic year 2020/21, which this year will be accompanied by a guest lecture by ruangrupa.

Graphic design: Sam Kim, picture in the background: Sofia Mascate, photo: Marie-Theres Böhmker

Graphic design: Sam Kim, picture in the background: Sofia Mascate, photo: Marie-Theres Böhmker

Graduate Show 2021: All Good Things Come to an End

From September 24 to 26, the more than 150 Bachelor's and Master's graduates of the class of 2020/21 will present their final projects as part of the Graduate Show at the HFBK Hamburg. We would like to thank all visitors and participants.

photo: Klaus Frahm

photo: Klaus Frahm

Summer Break

The HFBK Hamburg is in the lecture-free period, many students and teachers are on summer vacation, art institutions have summer break. This is a good opportunity to read and see a variety of things:

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; photo: Matthew Muir

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; photo: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Since 2010, the HFBK has organised the international exchange programme Art School Alliance. It enables HFBK students to spend a semester abroad at renowned partner universities and, vice versa, invites international art students to the HFBK. At the end of their stay in Hamburg, the students exhibit their work in the Open Studios in Karolinenstraße, which are now open again to the art-interested public.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Unlearning: Wartenau Assemblies

The art education professors Nora Sternfeld and Anja Steidinger initiated the format "Wartenau Assemblies". It oscillates between art, education, research and activism. Complementing this open space for action, there is now a dedicated website that accompanies the discourses, conversations and events.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; photo: Maximilian Schwarzmann

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; photo: Maximilian Schwarzmann

School of No Consequences

Everyone is talking about consequences: The consequences of climate change, the Corona pandemic or digitalization. Friedrich von Borries (professor of design theory), on the other hand, is dedicated to consequence-free design. In “School of No Consequences. Exercises for a New Life” at the Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, he links collection objects with a "self-learning room" set up especially for the exhibition in such a way that a new perspective on "sustainability" emerges and supposedly universally valid ideas of a "proper life" are questioned.

Annual Exhibition 2021 at the HFBK

Annual exhibition a bit different: From February 12- 14, 2021 students at the Hamburg University of Fine Arts, together with their professors, had developed a variety of presentations on different communication channels. The formats ranged from streamed live performances to video programs, radio broadcasts, a telephone hotline, online conferences, and a web store for editions. In addition, isolated interventions could be discovered in the outdoor space of the HFBK and in the city.

Public Information Day 2021

How do I become an art student? How does the application process work? Can I also study to become a teacher at the HFBK? These and other questions about studying art were answered by professors, students and staff at the HFBK during the Public Information Day on February 13, 2021. In addition, there will be an appointment specifically for English-speaking prospective students on February 23 at 2 pm.

Katja Pilipenko

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

On the evening of November 4, the HFBK celebrated the opening of the academic year 2020/21 as well as the awarding of the Hiscox Art Prize in a livestream - offline with enough distance and yet together online.

Exhibition Transparencies with works by Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Organized by Prof. Verena Issel and Fabian Hesse; photo: Screenshot

Exhibition Transparencies with works by Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Organized by Prof. Verena Issel and Fabian Hesse; photo: Screenshot

Teaching Art Online at the HFBK

How the university brings together its artistic interdisciplinary study structure with digital formats and their possibilities.

Alltagsrealität oder Klischee?; photo: Tim Albrecht

Alltagsrealität oder Klischee?; photo: Tim Albrecht

HFBK Graduate Survey

Studying art - and what comes next? The clichéd images stand their ground: Those who have studied art either become taxi drivers, work in a bar or marry rich. But only very few people could really live from art – especially in times of global crises. The HFBK Hamburg wanted to know more about this and commissioned the Faculty of Economics and Social Sciences at the University of Hamburg to conduct a broad-based survey of its graduates from the last 15 years.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; photo: MKG Hamburg

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; photo: MKG Hamburg

How political is Social Design?

Social Design, as its own claim is often formulated, wants to address social grievances and ideally change them. Therefore, it sees itself as critical of society – and at the same time optimizes the existing. So what is the political dimension of Social Design – is it a motor for change or does it contribute to stabilizing and normalizing existing injustices?