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2018/09/26: Offener Brief führender Grafikdesigner*innen fordert die Stiftung Buchkunst heraus

Anlässlich der bevorstehenden Präsentation »Deutschlands schönster Bücher 2018« auf der Frankfurter Buchmesse haben die Grafikdesign-Professoren Ingo Offermanns (HFBK Hamburg), Markus Dreßen (HGB Leipzig) und Markus Weisbeck (Bauhaus-Universität Weimar) einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie sich kritisch zur inhaltlichen Ausrichtung der Stiftung Buchkunst positionieren.

Die Stiftung agiere »wie ein nationaler Interessenverband der Druck- und Verlagsindustrie, nicht aber wie eine Kultur fördernde und von Kulturförderung bedachte Institution, die virulente buchkünstlerische/buchgestalterische Diskurse spiegeln sollte«. Vor allem in ihrer Rolle als Ausrichter des Wettbewerbs »Die Schönsten Deutschen Bücher« ignoriere sie experimentelle und künstlerische Entwicklungen.

Mehr als 20 Grafikdesign-Professor*innen führender deutscher Hochschulen haben den offenen Brief bisher unterzeichnet. Neben ihrer Kritik an bestehenden Strukturen verbinden sie damit aber auch das grundsätzliche Plädoyer für »einen alternativen und transnationalen buchästhetischen Diskurs«.

Wenn Sie den offenen Brief ebenfalls unterzeichnen möchten, besuchen Sie bitte die Seite https://secure.avaaz.org/de/petition/Stiftung_Buchkunst_Stiftung_Buchkunst_Wider_das_schoene_deutsche_Buch/?cFBbxnb

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Wider »das schöne (deutsche) Buch«

Gestaltung ist immer politisch. Grafikdesign in der heutigen Zeit anders zu denken, wäre verantwortungslos, denn (Grafik)Design beeinflusst unseren hyper-medialisierten Alltag so stark wie kaum eine andere ästhetische Disziplin.

Angesichts kapitalistischer Vereinnahmung und zunehmender populistischer Verzerrung von Sprache und Kommunikation muss Grafikdesign im Allgemeinen und Buchgestaltung im Besonderen, ein Ort differenzierter ästhetischer Verhandlung sein: Sie ist integraler Bestandteil unserer Sprach- und Schreibkultur; hier werden gesellschaftliche Übersetzungen entwickelt und umgesetzt. Das Wechselspiel zwischen Verhandeln, Erproben und Anwenden beschreibt einen offenen Prozess, der mindestens so viel Experiment wie Pragmatismus erfordert. Buchgestaltung primär affirmativ und in kommerziellen Verwertungszusammenhängen zu denken, ist eine unzutreffende und unverantwortliche Verengung, denn kritische Ästhetik trägt weiter als jede Marketingstrategie. Es braucht darum ein Forum, das diesen zentralen Aspekt kritisch-ästhetischen Kulturschaffens fördert und vermittelt.

Die Stiftung Buchkunst will ein solcher Ort sein. Lässt man die Stiftungsarbeit der letzten Jahre allerdings Revue passieren, drängt sich der Eindruck auf, dass die Stiftung »das schöne Buch« als marktgerechtes Erbauungsaccessoire mit Renditepotenzial missversteht und den nationalen wie internationalen Diskurs kritischer Buchästhetik systematisch ausblendet. Kurz gesagt: Die Stiftung Buchkunst agiert wie ein nationaler Interessenverband der Druck- und Verlagsindustrie, nicht aber wie eine Kultur fördernde und von Kulturförderung bedachte Institution, die virulente buchkünstlerische/buchgestalterische Diskurse spiegeln sollte.

Wir – die Unterzeichner*innen dieses offenen Briefes – plädieren deshalb für einen alternativen und transnationalen buchästhetischen Diskurs innerhalb und außerhalb der Stiftung Buchkunst, der die Bandbreite buchgestalterischer Reflexion und Innovation sowie das künstlerische Experiment spiegelt – egal ob dies am Markt, in Kulturinstitutionen oder an Hochschulen passiert.

Wir brauchen deshalb Jurys, die diese Kontexte nicht feindlich und hierarchisch voneinander abgrenzen, sondern herausragende Buchgestaltung aufspüren und zur Diskussion stellen. Sollte sich ein solcher Ansatz in der Stiftung Buchkunst nicht abbilden lassen, machen wir uns für eine alternative Institution buchkünstlerischen Diskurses stark, die Schulter an Schulter und auf Augenhöhe mit internationalen Jurys agiert.

Initiatoren:

  • Ingo Offermanns
    Professor für Grafik
    Hochschule für bildende Künste Hamburg
  • Markus Dreßen
    Professor für Grafikdesign
    Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
  • Markus Weisbeck
    Professor für Grafikdesign
    Bauhaus-Universität Weimar

Unterzeichner*innen

  • Fons Hickman
    Professor für Grafikdesign/Kommunikationsdesign
    Universität der Künste Berlin
  • Ulrike Stoltz
    Professorin für Typografie
    Hochschule für bildende Künste Braunschweig
  • Roman Wilhelm
    Vertretungsprofessor für Typografie
    Hochschule für bildende Künste Braunschweig
  • Tania Prill
    Professorin für Typografie
    Hochschule für Künste Bremen/Department Kunst und Design
  • Andrea Rauschenbusch
    Professorin für Kommunikationsgestaltung, Corporate Design
    Hochschule für Künste Bremen/Department Kunst und Design
  • Ulrike Brückner
    Professorin für Grundlagen der Gestaltung / Konzeption und Entwurf
    Fachhochschule Dortmund
  • Lars Harmsen
    Professor für Konzeption und Entwurf/Typografie und Layout
    Fachhochschule Dortmund
  • Sabine an Huef
    Professorin für Grafikdesign
    Fachhochschule Dortmund
  • Andreas Uebele
    Professor für Typografie, Buchgestaltung
    Hochschule Düsseldorf
  • Victor Malsy
    Professor für Typografie
    Hochschule Düsseldorf
  • Sabine Golde
    Professorin für Buchkunst
    Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
  • Matthias Görlich
    Professor für Kommunikationsdesign/Informationsdesign
    Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
  • Andrea Tinnes
    Professorin für Schrift und Typografie
    Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
  • Heike Grebin
    Professorin für Typografie
    Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
  • Dorothee Weinlich
    Professorin für Kommunikationsdesign, Typografie/Corporate Design
    Hochschule Hannover
  • Michael Kryenbühl
    Professor für Kommunikationsdesign/Gestaltung mit digitalen und vernetzten Medien
    Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe
  • Sereina Rothenberger
    Professorin für Kommunikationsdesign
    Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe
  • Ivan Weiss
    Professor für Kommunikationsdesign/Gestaltung mit digitalen und vernetzten Medien
    Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe
  • Gabriele Franziska Götz
    Professorin Visuelle Kommunikation/Redaktionelle Gestaltung
    Universität Kassel | Kunsthochschule
  • Ludovic Balland
    Professor für Typografie und Editorial Design
    Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
  • Stephan Müller
    Professor für Type-Design
    Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
  • Sascha Lobe
    Professor für Typografie
    Hochschule für Gestaltung Offenbach
  • Uli Cluss
    Professor für Kommunikationsdesign
    Staatliche Akademie der bildenden Künste Stuttgart
  • Gerwin Schmidt
    Professor für Kommunikationsdesign
    Staatliche Akademie der bildenden Künste Stuttgart
  • Anna Berkenbusch
    Professorin für Kommunikationsdesign
    Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
  • Stephan Müller
    Professor für Type-Design
    Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
  • Dr. Roland Mönig
    Kunst- und kulturwissenschaftlicher Vorstand/Direktor Saarlandmuseum
    Stiftung Saarländischer Kulturbesitz
  • Indra Kupferschmid
    Professorin für Kommunikationsdesign/Typografie
    Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken
  • Renate Stefan
    Buchgestalterin und langjährige Herstellungsleiterin des Berlin Verlages und der »Anderen Bibliothek« (nach deren Übernahme durch den Aufbau-Verlag)
  • Uta Kopp
    Gastprofessorin für Typografie und Buchgestaltung
    Kunstakademie Münster
  • Julia Blume
    Institut für Buchkunst an der HGB Leipzig und Vorsitzende der Vereins zur Förderung von Grafik und Buchkunst zur Vergabe des Walter-Tiemann-Preises

Pressekontakt

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Unlearning: Wartenau Assemblies

The art education professors Nora Sternfeld and Anja Steidinger initiated the format "Wartenau Assemblies". It oscillates between art, education, research and activism. Complementing this open space for action, there is now a dedicated website that accompanies the discourses, conversations and events.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; photo: Maximilian Schwarzmann

School of No Consequences

Everyone is talking about consequences: The consequences of climate change, the Corona pandemic or digitalization. Friedrich von Borries (professor of design theory), on the other hand, is dedicated to consequence-free design. In “School of No Consequences. Exercises for a New Life” at the Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, he links collection objects with a "self-learning room" set up especially for the exhibition in such a way that a new perspective on "sustainability" emerges and supposedly universally valid ideas of a "proper life" are questioned.

Annual Exhibition 2021 at the HFBK

Annual exhibition a bit different: From February 12- 14, 2021 students at the Hamburg University of Fine Arts, together with their professors, had developed a variety of presentations on different communication channels. The formats ranged from streamed live performances to video programs, radio broadcasts, a telephone hotline, online conferences, and a web store for editions. In addition, isolated interventions could be discovered in the outdoor space of the HFBK and in the city.

Public Information Day 2021

How do I become an art student? How does the application process work? Can I also study to become a teacher at the HFBK? These and other questions about studying art were answered by professors, students and staff at the HFBK during the Public Information Day on February 13, 2021. In addition, there will be an appointment specifically for English-speaking prospective students on February 23 at 2 pm.

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

On the evening of November 4, the HFBK celebrated the opening of the academic year 2020/21 as well as the awarding of the Hiscox Art Prize in a livestream - offline with enough distance and yet together online.

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Art defies Corona: Graduate Show 2020

With a two-month delay, the Graduate Show took place this year on the 19 and 20 September. More than 140 students showed their artistic graduation projects, from painting to sound installation.

Exhibition Transparencies with works by Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Organized by Prof. Verena Issel and Fabian Hesse; photo: Screenshot

Teaching Art Online at the HFBK

How the university brings together its artistic interdisciplinary study structure with digital formats and their possibilities.

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Studying art - and what comes next? The clichéd images stand their ground: Those who have studied art either become taxi drivers, work in a bar or marry rich. But only very few people could really live from art – especially in times of global crises. The HFBK Hamburg wanted to know more about this and commissioned the Faculty of Economics and Social Sciences at the University of Hamburg to conduct a broad-based survey of its graduates from the last 15 years.

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How political is Social Design?

Social Design, as its own claim is often formulated, wants to address social grievances and ideally change them. Therefore, it sees itself as critical of society – and at the same time optimizes the existing. So what is the political dimension of Social Design – is it a motor for change or does it contribute to stabilizing and normalizing existing injustices?