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Mo, Montag30.11.26—
Do, Donnerstag03.12.26
Podiumsdiskussion Symposium Workshop

Write Against the Machine. Schreiben in der Gegenwart

HFBK Künste, Ernst Deutsch Theater, Literaturhaus

Alexandra Friedrich, Ann Cotten, Ayla Yeginer, Carsten Brosda, Daniel Schütter, Dariia Kuzmych, Dirk von Lowtzow, Ece Temelkuran, Eva von Redecker, Felix Beuter, Gihong “Kiki” Park, Hakan Savaş Mican, Heike Geißler, Ilija Matusko, Jonas Borinski, Judith Schalansky, Katharina Picandet, Kenneth Ting-Yu Lin, Lena Schätte, Marco Damghani, Nefeli Kavouras, Olivier David, Rune Jürgensen, Ruth-Maria Thomas, Sebastian Guggolz, Sijia Yang, Siri Keil, Sophia Kennedy, Sung Tieu

Im Schreiben wird der Welt ein Gedächtnis verliehen, eine Brücke aus denkenden Innenwelten in die geteilte Realität gebaut und Selbstverständliches hinterfragt. Schreiben war immer schon Selbstermächtigung und zugleich von Machtverhältnissen durchzogen. Als Medium bürgerlicher Deutungshoheit verschleierte es Erfahrungen, die nicht zur Sprache kamen. Seit einigen Jahren ist das Schreiben nun aber nicht nur selbst Verwertungslogiken unterworfen, sondern auch von ressourcen- und kapitalhungrigen Maschinen bedrängt. Generative KI zapft das Weltgedächtnis an und textet ohne Bewusstsein und Realitätssinn.

Das von der Hochschule für bildende Künste gemeinsam mit dem Ernst Deutsch Theater und dem Literaturhaus ausgerichtete Festival Write Against the Machine will sich nicht kleinlaut geben, sondern weiterschreiben. Wir fragen nach dem Standpunkt der Schreibenden, vertiefen uns in die Poetik verschiedener Materialien, diskutieren die Politik des Verlegens und feiern die kleinen Formen bis hin zum großen Auftritt für künstlerischen Widerspruch und Eigensinn.

Konzept: Eva von Redecker, Sabine Boshamer

Programm

Montag, 30.11.2026

  • 17:00 Uhr, Aula der HFBK Hamburg
    Keynote: Nation of Strangers: A new home made of words by Ece Temelkuran
    Panel discussion with Ece Temelkuran and Sung Tieu, moderated by Eva von Redecker

    In her most recent book, Ece Temelkuran calls for a Nation of Strangers. This is exactly the solidarity needed amidst the ruins of nationalist myth-making and an increasingly dystopian global situation. With her contribution to the German Pavilion at the Venice Biennale, Sung Tieu overwrites the glorious claim to representation by installing a temporary monument to the repressed history of Vietnamese contract workers in Germany. At the festival’s opening, the two will discuss how, through artistic means, the sense of a silent crowd of the uprooted and those made to seem foreign can be given expression, and how the subtle moments in which social reality takes shape – and the normalisation of belonging or exclusion becomes apparent – can be made visible.

  • 19:30 Uhr, Saal im Literaturhaus
    Lesung und Gespräch: Herkunft und Klasse in der Gegenwartsliteratur mit Ilija Matusko, Lena Schätte und Ruth-Maria Thomas, moderiert von Nefeli Kavouras

    Der Auftakt des Festivals findet im Literaturhaus seine Fortsetzung und führt drei für die junge Gegenwartsliteratur besonders relevante Autor*innen auf dem Podium zusammen, die sich in ihren Texten auf unterschiedliche Weise mit Herkunft und Habitus beschäftigen. Gemeinsam nehmen sie eine Verortung ihres Schreibens vor und erkunden die Bedingungen ihrer Sujets: Wie prägt uns die Herkunft der Eltern? Was bedeutet Armut? Kann Liebe trotz Klassenunterschieden gelingen?

Dienstag, 1.12.2026

  • 11:00–16:00 Uhr, Raum 253, HFBK Hamburg
    Workshop: Maschinenstürm-er, sie, es, wir, ihr, sie, they, them und ich und du u.s.w. mit Heike Geißler (für Studierende)

    Wir schreiben. Wir schauen und hören und üben uns darin, uns nicht von den Zurufen der Gegenwart unterbrechen zu lassen, wir unterbrechen selbst. Wir halten inne, indem wir schreiben: aufschreiben, mitschreiben, unter- und gegenschreiben. Schreiben ist vieles, es ist zugleich eine langsame und schnelle Methode zu reagieren auf alles, was ist, was war und sein könnte. Wir widmen uns einfachen Textsorten, wie Liste, Notiz, Mitschrift und werden merken, wie schnell Gedichte, Prosaminiaturen, Zeitzeugnisse entstehen, die teilbar und mitteilenswert sind. Wir lassen uns von keiner Maschine zutexten, wir texten zurück.

  • 19:00 Uhr, Extended Library, HFBK Hamburg
    Panel: Lyrics – Übers Songwriting reden mit Sophia Kennedy und Dirk von Lowtzow, moderiert von Alexandra Friedrich

    Liedtexte unterliegen als Genre ganz eigenen Regeln und das Songwriting ist von der Musik und der späteren Aufführung nicht zu trennen. Die Bühne wiederum, für die geschrieben wird, bietet ein Forum für Botschaften an das große Publikum. Mit Sophia Kennedy und Dirk von Lowtzow legen wir lustvoll Platten auf und fragen nach dem Selbstverständnis als Schreibende, ob Lyrics die entspanntere poetische Ausdrucksform sind und inwieweit der Topos der Verweigerung noch immer für das aktuelle Songwriting taugt.

Mittwoch, 2.12.2026

  • 11:00–16:00 Uhr, Extended Library, HFBK Hamburg
    Workshop: Material im Anthropozän mit Judith Schalansky
    (für Studierende)

    Marmor, Quecksilber und Nebel – was ist Material im Anthropozän und was machen wir damit? In ihren kürzlich edierten Frankfurter Poetik-Vorlesungen erkundet Judith Schalansky ausgehend von drei Materialrecherchen die menschliche Gestaltungskraft und dringt in Auseinandersetzung mit eben diesen Stoffen zum Wesen der Dichtkunst vor.

  • 19:30 Uhr, Labor, Ernst Deutsch Theater
    BETA-Probe: Nur über meine Leiche von Olivier David
    Panel: Szenisches Schreiben als Gegenwehr mit Marco Damghani, Rune Jürgensen, Hakan Savaş Mican und Daniel Schütter, moderiert von Ayla Yeginer

    Was tue ich, wenn es zum Krieg kommt? Drei Männer, drei Generationen, drei Entscheidungen. Das im Labor des EDT inszenierte Stück Nur über meine Leiche knüpft an die aktuelle Debatte um Kriegstüchtigkeit und Wehrdienst an. Der künstlerische Arbeitsprozess am Text wird in der BETA-Probe sichtbar gemacht und das Publikum bewusst in die Stückentwicklung mit einbezogen. Die Frage, wie Literatur als Gegenwehr im theatralen Raum heute umgesetzt und gesellschaftliche Phänomene adäquat auf der Bühne abgebildet werden können, beschäftigt nachfolgend das Panel mit Theater-Expert*innen. Das Gespräch wird in offener Runde im Laborfoyer fortgesetzt.

Donnerstag, 3.12.2026

  • 11:00–19:00 Uhr, Aula und Aulavorhalle, HFBK Hamburg
    Exlibris Book Festival: Letter conceived by Felix Beuter, Jonas Borinski, Kenneth Ting-Yu Lin, Gihong “Kiki” Park and Sijia Yang

    Exlibris is an independent book festival dedicated to artist’s books, design, and publishing as a way of sharing through our languages. The third edition has the theme Letter. Alongside the book fair venue, we are presenting Sharing Shelf, an exhibition that explores the books behind the people who love, make, and collect books. Likewise, the letter as one of the smallest carriers of stories, we invite artists, publishers, designers, and everyone engaged in publishing to share not only what you created but also a book that have shaped your own journey.

  • 11:00–16:00 Uhr, Extended Library, HFBK Hamburg
    Workshop: unmittelbar? unvermittelt? Bevor-Bild mit Ann Cotten und Dariia Kuzmych
    (Anmeldung über Website)

    Wozu Wörter statt Bilder? Ein Text kann eine Sache allzu schnell versiegeln. Aber auch Bilder werden gerade in zerstört werdenden Lebenswelten dazu verwendet, die Aufmerksamkeit zu besetzen. Körperliche Ausdrücke und Geräusche gehören allen. Sprache und Schmerz machen Wörter zu einer manchmal temporär unmöglichen Notwendigkeit. Es gilt, zugleich den Wunsch nach Ausdruck und das Misstrauen gegenüber den Ausdrucksmöglichkeiten ernst zu nehmen. Im Workshop lesen und sprechen wir vor diesem Hintergrund darüber, wie inmitten zirkulierender Kriegsbilder Kunstwerke oder Texte stattfinden könnten.

  • 19:00 Uhr, Extended Library, HFBK Hamburg
    Panel: Verlegen – eine politische Praxis? mit Carsten Brosda, Sebastian Guggolz, Katharina Picandet und Judith Schalansky, moderiert von Siri Keil

    Das Büchermachen und -verlegen ist in dieser an Herausforderungen nicht armen Zeit so anspruchsvoll und fordernd wie nie zuvor. Dabei liegt es auf der Hand: Erst das Selbstverständnis der Verleger*innen als gesellschaftliche Akteur*innen ermöglicht die Vielfalt und Widerständigkeit des Buchmarktes. Auf dem Panel wird das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Zwängen und ästhetischem Anspruch, zwischen Massengeschmack und (kultur)politischen Vorgaben ausgelotet und nach den idealen wie notwendigen Bedingungen eines freiheitlichen und solidarischen Verlegens gefragt.

Montag 30.11.26

Eröffnung

17:00 Uhr