Reading a Wave*: Künstlerische Forschung an der Schnittstelle von Wasser, Vergegenständlichung und Infrastruktur
Forschungsprofessorin Jenna Sutela lädt zur Bewerbung für das PhD in Art Practice-Programm im Rahmen eines neuen interdisziplinären Projekts im Studienschwerpunkt Bildhauerei ein.
Jenna Sutela, Pond Brain, 2023; Foto: David Stjernholm, Copenhagen Contemporary
Das Projekt bewegt sich im Rahmen Exzellenzclusters BlueMat:Water-Driven Materials, in dem die HFBK Hamburg gemeinsam mit der Technischen Universität und der Universität Hamburg Arbeiten zu den Themen Wasser und Ökologie durch eine Synthese künstlerischer und wissenschaftlicher Perspektiven vorantreibt und damit eine kritische Reflexion über unseren Umgang mit Wasser und unsere Beziehung dazu sowie letztlich zur Infrastruktur in einer Zeit tiefgreifender globaler Krisen leistet. Während die Partnerinstitutionen das Thema vorrangig mit Konzepten und Methoden der Materialforschung aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften sowie den Sozialwissenschaften und der Philosophie angehen, bringt die künstlerische Betrachtung von Seiten der HFBK Hamburg Forschungsansätze ein, darunter experimentelle und ästhetische Praktiken in den Bereichen Skulptur und zeitbasierte Kunst sowie theoretische und spekulative diskursive Ansätze und Formate.
Aus künstlerischer Perspektive ist die Untersuchung in erster Linie konzeptioneller und systemischer Natur: Sie befasst sich nicht nur mit Wasser über verschiedene Maßstäbe hinweg, sondern reflektiert auch die Rolle von Wissenschaft und Kunst in der Gesellschaft im weiteren Sinne. Wasser begegnet einem im Rahmen des Projekts auf vielfältige Weise. Es fungiert als Bindeglied, das den Übergang beispielsweise zwischen der immensen Größenordnung des planetarischen Hydrologiesystems und der intimen Ebene des flüssigen Körpers ermöglicht, ohne dabei das eine als „realer“ als das andere zu behandeln. Wir werden die Grenzen dessen, was Verkörperung sein kann, erweitern. Indem es Grenzen durchquert, offenbart Wasser diese eher als Schwellen denn als Kanten und hilft uns, Dinge nicht als feste Objekte, sondern als Orte des kontinuierlichen Austauschs zu sehen – eine Denkweise, die auf offenen und relationalen Systemen basiert. Wir werden auch dem „virtuellen Wasser“ nachspüren, das in den Infrastrukturen verborgen ist, mit denen wir denken und gestalten. Im Zentrum des Projekts steht ein ökologisches Verständnis der Existenz als grundlegend miteinander verbunden – miteinander, mit den Werkzeugen und gebauten Umgebungen, die wir gestalten, und mit einem Planeten, der nicht uns gehört.
Erfolgreich zugelassene Bewerber*innen finden an der HFBK Hamburg ein Umfeld für eigenständiges, unabhängiges Forschen vor – einen Raum für kritisches Denken, Fantasie und die Entwicklung neuer Praktiken, in dem sich die Verbindungen zwischen individueller künstlerischer Forschung und dem übergeordneten Forschungscluster organisch entfalten können. Zu den Möglichkeiten der Zusammenarbeit gehören beispielsweise die Chance, mit Laborgeräten und -materialien – Hardware, Software und Wetware gleichermaßen – zu experimentieren und einen kontinuierlichen interdisziplinären Dialog zu führen, während gleichzeitig jene Übersetzungsfähigkeiten trainiert werden, die sowohl für die Einbettung der künstlerischen Praxis in ein erweitertes Ökosystem als auch für die Suche nach neuen Rahmenbedingungen für das künstlerische Schaffen und das Wirken in diesem Feld nützlich sind. Aufbauend auf dem Status als Künstler*in und Forscher*in wird die Person zum Projekt beitragen, indem jene an öffentlich zugänglichen künstlerischen Installationen teilnimmt und das Programm insgesamt mitgestaltet.
*Der Titel lehnt sich an „Reading a Wave“ an, das erste Kapitel aus Italo Calvinos Roman Herr Palomar aus dem Jahr 1983, in dem der Protagonist versucht, eine einzelne Welle im Meer zu isolieren, wobei sich diese Aufgabe jedoch aufgrund ihrer eigenen Komplexität als unmöglich erweist.