This website uses cookies to display external content and to collect anonymous statistics on usage behavior.
Wartenau Versammlung #28: Labour Migration and Public History
18:00 Aula Wartenau, Wartenau 15, 2. Stock
mit Chris Zisis
Wurde die Vielfalt und Mehrschichtigkeit der Arbeitsmigrationserzählungen in Museen, der öffentlichen Geschichtsschreibung und an Erinnerungsorten ausreichend dargestellt? Gibt es unbekannte, zum Schweigen gebrachte und ungesehene Geschichten der Arbeitsmigration, die in der öffentlichen Geschichte unterrepräsentiert sind oder völlig in Vergessenheit geraten sind? Findet eine aktive Einbindung, Beteiligung und Mitwirkung der tatsächlichen „Protagonist:innen“ der Arbeitsmigration in entsprechenden musealen Projekten zur Migrationsgeschichte statt?
Chris Zisis’ ethnographische Forschung zeigt nicht nur, dass es noch unentdecktes historisches Material gibt, sondern betont auch den Bedarf und die berechtigte Forderung nach einer nuancierteren, kompakten und facettenreichen Reaktivierung, Aufarbeitung, Archivierung und Zugänglichmachung solcher Geschichten an den Schnittstellen von Museen, öffentlicher Geschichte und Erinnerungsorten.
Mit einem Mixed-Methods-Ansatz in seiner „mehrseitigen“ Ethnographie untersucht Chris Zisis in seiner Fallstudie – der griechischen Arbeitsmigration nach Westdeutschland in der ersten Phase des Anwerbeabkommens (1960–1973) in den Städten Berlin, Hamburg und München – verkörperte Erfahrungen der Arbeitsmigration durch die Perspektive von vier unterschiedlichen Medien: Filme über Arbeitsmigration seit den 1970er Jahren, mündliche Geschichten und Zeugnisse, die entweder in diesen Filmen kontextualisiert sind, sowie Primärinterviews mit Zeitzeug:innen der ersten und zweiten Migrantengeneration, Gruppendiskussionen, Briefe, Fotografien und materielle Migrationsartefakte.
Durch dieses Konzept eines multivokalen, polymorphen und polyprismatischen „Bottom-up“-Archivs war er in der Lage, die „multiplen Materialitäten migrantischer Welten“ (Basu, Coleman 2008) umfassend zu beschreiben, die Vorstellung eines dialogorientierten (Harrison, 2013) und relationalen Museums zu erweitern sowie schließlich ein „Bottom-up“-alternatives Erinnerungsarchiv migrantischer verkörperter Erfahrungen und Wissens zu sammeln und zu gestalten.
Chris Zisis promovierte im März 2024 mit „magna cum laude“ in Kulturanthropologie am Institut für Anthropologische Studien zu Kultur und Geschichte der Universität Hamburg/EKW. Zudem besitzt er einen Masterabschluss im Bereich Heritage/Museum Studies (Europäische Universität Viadrina Frankfurt/Oder) sowie einen Bachelorabschluss in Philosophie und Wissenschaftsgeschichte (National- und Kapodistrias-Universität Athen, Griechenland). Seit dem Sommersemester 2017 arbeitet er als Lehrbeauftragter im Fachbereich Soziale Arbeit & Public Health an der Fachhochschule Kiel. Ab dem Wintersemester 2025/2026 wird er als Lehrbeauftragter am Fachbereich Kulturwissenschaften und Ethnologie der Universität Bremen tätig sein. Neben seinen regulären Forschungsschwerpunkten, die Schnittmengen in den Bereichen Museum/Heritage Studies, kritische Migrationsforschung, engagierte Anthropologie und antirassistische Bildung haben, interessiert er sich gleichermaßen für künstlerische Praktiken und Interventionen, neue soziale Bewegungen/Nicht-Bewegungen sowie dafür, wie kritisches Wissen von „unten“ („bottom-up“) und durch inoffizielle Archive und Akteur:innen nicht nur in Museums- und Erinnerungsorten, sondern auch im öffentlichen Raum (mit-)produziert wird.