Gemeinsame Erklärung der Präsidenten der HFBK Hamburg, Prof. Martin Köttering und der Hochschule für Musik und Theater, Prof. Dr. Jan Philipp Sprick vom 1.⁠ ⁠Juli 2026

Mit großer Sorge reagieren die Präsidenten der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) und der Hochschule für Musik und Theater Hamburg (HfMT) auf die geplante Neufassung der Oberstufenverordnung.

Die Darstellung der Schulbehörde, die ästhetische Bildung werde nicht geschwächt, verschleiert den eigentlichen Kern der Reform. Tatsächlich soll künftig kein verbindlicher Anspruch mehr darauf bestehen, dass Schulen Kunst, Musik oder Theater über alle vier Semester der Oberstufe anbieten. Damit verlieren Schülerinnen und Schüler die Garantie, in diesen Fächern überhaupt das Abitur ablegen zu können.

Die Folgen reichen weit über einzelne Unterrichtsstunden hinaus. Wo Schulen aus organisatorischen oder finanziellen Gründen Kurse nach zwei Semestern einstellen, verlieren junge Menschen die Möglichkeit, ihren Bildungsweg in einem künstlerischen Fach fortzusetzen. Ob ein Abitur in Kunst, Musik oder Theater möglich ist, hängt künftig nicht mehr vom Talent oder Interesse der Schülerinnen und Schüler ab, sondern von den organisatorischen Möglichkeiten der jeweiligen Schule. Das wird Folgen haben für den Lehrkräfte-Nachwuchs in diesen Fächern.

Für eine Kulturmetropole wie Hamburg ist dies ein fatales Signal. Kunst, Musik und Theater sind keine Nebenfächer und kein schmückendes Beiwerk unseres Bildungssystems. Sie fördern Kreativität, Urteilsvermögen, Vorstellungskraft, Empathie, Teamfähigkeit und die Fähigkeit, mit Ambivalenz umzugehen. Genau diese Kompetenzen werden in einer Zeit von Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung und tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen dringender gebraucht denn je.

Während Politik und Wirtschaft unablässig Kreativität, Innovation und Zukunftskompetenzen beschwören, werden ausgerechnet jene Schulfächer strukturell geschwächt, die diese Fähigkeiten vermitteln. Das ist ein bildungspolitischer Widerspruch von erheblicher Tragweite.

Wir fordern den Senat und die Schulbehörde auf, die Oberstufenverordnung so zu ändern, dass an allen Hamburger Schulen ein durchgängiges viersemestriges Angebot in Kunst, Musik und Theater verbindlich garantiert wird. Nur so bleibt der Zugang zum Abitur in diesen Fächern erhalten.

Eine Gesellschaft, die Kreativität zur Schlüsselkompetenz des 21.⁠ ⁠Jahrhunderts erklärt, darf ausgerechnet jene Schulfächer nicht zu einem unverbindlichen Angebot degradieren. Wer Kunst, Musik und Theater strukturell schwächt, schwächt die Innovationskraft und die demokratische Kultur von morgen.