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2012/02/23: Karl H. Ditze-Preis 2012 für Victor Orozco Ramirez und Jennifer Bennett

HFBK-Absolvent Victor Orozco Ramirez wurde im Rahmen der Eröffnung der Absolventenausstellung als erster Preisträger mit dem »Karl H. Ditze-Preis für die beste Abschlussarbeit 2012« ausgezeichnet. Daneben konnte die Künstlerin Jennifer Bennett mit ihrer Arbeit überzeugen, so dass die Jury sie mit einem zweiten Platz bedachte. Mit dem extern jurierten Karl H. Ditze Preis, der in diesem Jahr zum 14. Mal in Folge verliehen wird, soll die besondere künstlerische Qualität und Ausdruckskraft einer einzelnen Position gewürdigt werden. Das Preisgeld beträgt insgesamt erstmalig 10.000 Euro (vorher 7.500 Euro). Darüber hinaus vergeben die Juroren unter den 64 Diplom- und MasterabsolventInnen das »Jahresstipendium zur Förderung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses«: Der glückliche Stipendiat ist der Performance-Künstler Oliver Bulas.

Die Entscheidung, wer den Preis und das Stipendium erhalten soll, wurde an eine externe Fachjury delegiert, die bei ihrem ganztätigen Rundgang heute alle 64 ausgestellten Arbeiten aus den Studienschwerpunkten Bildhauerei, Bühnenraum, Design, Film, Grafik, Fotografie sowie Malerei und Zeitbezogene Medien begutachtet haben. In einer so vehement wie kompetent geführten Abschlussdiskussion einigten sich die sechs Juroren schließlich über die Zweiteilung des Karl H. Ditze Preises: Der 1. Preis in Höhe von 7.000 Euro geht an Victor Orozco Ramirez, der 2. Preis in Höhe von 3.000 Euro an Jennifer Bennett. Oliver Bulas erhält das Jahresstipendium mit einer monatlichen Fördersumme von 820 Euro. Vom 24. bis 26. Februar 2012 sind alle Abschlussarbeiten der 64 Diplom- und MasterabsolventInnen aus dem Studienjahr 2011/12 im Hauptgebäude der HFBK am Lerchenfeld zu sehen, darunter selbstverständlich auch die Arbeiten der PreisträgerInnen.

Die PreisträgerInnen mit der Jurybegründung:

Victor Orozco Ramirez
(Prof. Pepe Danquart)

Karl H. Ditze Preis für die beste Abschlussarbeit / 1. Preis

In seinem Animationsfilm »Reality 2.0« wirft Victor Orozco einen Blick zurück auf seine Heimat Mexiko, der zwischen Sehnsucht und Schrecken schwankt. Die nahezu poetischen Bilder der Gewaltexzesse einer von Drogenkriegen erschütterten Gesellschaft verhalten sich bewusst anachronistisch und gegensätzlich zur Bildproduktion der elektronischen Medien. Über die animierten Zeichnungen wird eine ästhetische Distanz erzeugt, die eine emotionale Annäherung jenseits von Schock und Zynismus möglich macht. So appellieren die filmischen Bilder an eine Menschlichkeit, die der kühl analysierende Kommentar längst aufgegeben hat.

Jennifer Bennett
(Prof. Andreas Slominski)

Karl H. Ditze Preis für die beste Abschlussarbeit / 2. Preis

Mit ihrer Position überzeugte Jennifer Bennett die Jury, indem sie grundsätzlich die Frage nach dem gesellschaftlichen Ort und Sinn von Kunstproduktion stellt. Sich unter anderem auf Ilya Kabakov berufend erklärte sie ihren Arbeitsraum an der HFBK zu einer »totalen« Installation. Alle in diesem Raum vorhandenen Gegenstände und Personen, einschließlich der Künstlerin selbst, sind Teil dieser Installation. Letztlich geht es um die Überführung von Kunst ins Leben und vice versa.

Oliver Bulas
(Prof. Michaela Melián)

Stipendium zur Förderung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses

Mit seiner aufwendig mit SchauspielerInnen in Szene gesetzten Performance »Hätten wir ein wenig an das Ende davon gedacht, als wir damit begannen die Stadt in Farben zu tauchen…« befragt Oliver Bulas die Sehnsucht nach dem Authentischen. Der Künstler in seiner Konstruktion als autonomes Subjekt wird leichthin dekonstruiert. Der Betrachter, oder vielmehr: Teilnehmer an dieser Performance wird zur Zeugenschaft gezwungen oder muss sich dem Prozess bewusst entziehen.

Die Jury 2012:

Marius Babias
Direktor, Neuer Berliner Kunstverein e.V.

Alexandra Gramatke
Geschäftsführerin, KurzFilmAgentur Hamburg e.V.

Mariella Mosler
Künstlerin, Hamburg und Stuttgart

Raimar Stange
Freier Kurator und Kunstpublizist, Berlin

Hilke Wagner
Direktorin, Kunstverein Braunschweig e.V.

Uwe Toben
Rechtsanwalt und Vorstandsmitglied der Karl H. Ditze Stiftung Hamburg.

Karl H. Ditze (1906–1993)
Gesellschafter und langjähriger Geschäftsführer des Unternehmens rotring (Schreib- und Zeichengeräte), hatte die Karl H. Ditze Stiftung 1979 gegründet. Seitdem werden jährlich vier Hamburger Hochschulen sowie karitative Projekte von der Stiftung gefördert. Neben der Unterstützung der Internationalen Mobilität der Studierenden engagiert sich die Stiftung besonders für die Förderung begabter Studierender. Der Karl H. Ditze-Preis wurde 2012 zum 14. Mal an der HFBK vergeben.