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2014/01/16: 6 CliSAP Gastforschungs-Plätze an HFBK-Künstler/innen vergeben

Die sechs HFBK-Studierenden Reto Buser, Jessica Leinen, Katja Lell, Philip Prinz, Laura Reichwald und Hagen Schümann wurden von der Jury als »CliSAP visiting artist researcher« ausgewählt. Insgesamt lagen 35 Bewerbungen von HFBK-Künstler/innen vor, 15 davon wurden der Jury präsentiert.

Im Rahmen einer einmaligen Kooperation erhalten die Kunststudierenden mit einer finanziellen Unterstützung in Höhe von 4.000 Euro (plus Sachmittel) die Möglichkeit, für fünf Monate ab Februar 2014 die Klimaforschung im Cluster CliSAP (Integrated Climate System Analysis and Prediction) der Hamburger Universität zu beobachten, zu begleiten, mit den Wissenschaftlern ins Gespräch zu kommen und die Ergebnisse der Auseinandersetzung für ihre künstlerische Arbeit zu nutzen.

Die ausgewählten Projekte:

Reto Buser: »Klimabilder«
in der Abteilung Atmosphäre im Erdsystem des MPI für Meteorologie

Reto Buser hat an der ETH Zürich Biologie studiert und auch in Glykobiologie promoviert, bevor er sich für ein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg entschied. Er hat in für die Jury überzeugender Weise klar gemacht, dass diese Begegnung mit seinem »früheren Ich« als Gast am MPI für Meteorologie sowohl ihn als Künstler weiterbringen wird, als auch für die Forscher in der Abteilung Atmosphäre im Erdsystem anschlussfähig und inspirierend ist. Reto Buser möchte insbesondere die Methoden und Techniken, die Realitäten in Abstraktionen übersetzen für seine künstlerische Auseinandersetzung mit Klimabildern kennenlernen und nutzen.

Jessica Leinen: »Chaos und Kosmos«
in der Arbeitsgruppe Numerische Methoden in den Geowissenschaften

Jessica Leinen studiert an der Hochschule für bildende Künste im Master Bildhauerei in der Klasse von Professor Matt Mullican. Als visiting artist reseracher wird sie in der Arbeitsgruppe Numerische Methoden in den Geowissenschaften beobachten, wie die Mathematiker und Physiker natürliche Phänomene berechenbar machen, sich also kritisch-künstlerisch damit auseinandersetzen, wie mathematische Beschreibungen der physikalischen, chemischen und biologischen Prozesse im Klimasystem entstehen. Naturgewalten berechenbar zu machen hat für Jessica Leinen seinen Urgrund darin, einem Gefühl des Ausgeliefert seins mit Hilfe von mathematischer Ordnung, System und Prognose Abhilfe zu schaffen.

Katja Lell: »Fiktive Erzählung mit Bildern«
in der Arbeitsgruppe Mikropaläontologie und Museum

Katja Lell studiert seit 2009 bildende Künste in Hamburg in der Klasse Zeitbezogene Medien bei Professor Jeanne Faust. Sie hat die Jury mit einem Filmprojekt überzeugt, das »mit Bildern über Bilder arbeitet« und so eine neue Ordnung, eine fiktive Erzählung erzeugt. Diese Erzählung löst etwa die mikroskopischen Aufnahmen in den Publikationen und Museumsarchiven der Mikropaläontologen aus ihren herkömmlichen funktionalen Sinnkontexten und gibt sie einem ästhetischen Blick frei. Die Jury ist sicher, dass Katja Lells subjektiv-künstlerische Perspektive dabei Zusammenhänge herstellt und eine Auswahl trifft, die sich von der wissenschaftlichen Methode der Bilderzeugung und -funktionalisierung auf produktive und inspirierende Weise unterscheidet.

Philip Prinz: »Scheitern an der Natur«
am Institut für Bodenkunde der Universität Hamburg und auf der Ludwig Prandtl

Philip Prinz studiert an der HFBK bei Professor Anselm Reyle und an der Universität Hamburg Kunst und Geographie, um Gymnasiallehrer zu werden. Er hat die Jury mit einem Projekt überzeugt, dass das »Scheitern an der Natur« des Menschen, des Forschers, des Künstlers inszeniert. Voll Humor und auf originelle Weise, so das Urteil der Jury, nähert sich Philip Prinz mit den Mitteln des Künstlers dabei den Forschungsgegenständen der Klimaforscher von Wind und Wellen bis zum Boden und seinen Veränderungen.

Laura Reichwald: »Fernerkundung«
in der Arbeitsgruppe für Theoretische Meteorologie

Auch Laura Reichwald ist naturwissenschaftlich vorbelastet. Bevor sie sich zum Studium der bildenden Künste entschloss, hat sie Medientechnik studiert und mit ihrem Vater, einem Mathematiker, über Gregori Perelman diskutiert, und dessen ebenso genialen wie verschrobenen Blick auf die Welt. Ihr Projekt als visiting artist researcher soll denn auch Ideenfindung in Wissenschaft und Kunst vergleichend untersuchen und sich dabei etwa der Frage widmen, warum Mathematiker manche Lösungswege als elegant und schön beschreiben und andere nicht, obwohl sie womöglich zum gleichen Ergebnis führen.

Hagen Schümann: »kinetischer Bildgenerator«
in der Themenkoordination Stürme des Forschungszentrums Geesthacht

Hagen Schümann hat zunächst eine Ausbildung zum Mechatroniker, gemacht bevor er sich für das Kunststudium an der HFBK Hamburg entschied, wo er seit 2008 in der Klasse von Professor Pia Stadtbäumer Bildhauerei studiert. Im Rahmen seines Studiums hat er den Prototypen eines kinetischen Bildgenerators entwickelt, der sich für die Visualisierung unterschiedlichster Datensätze eignet. Als visiting artist researcher besucht er das Forschungszentrum Geesthacht, um in Auseinandersetzung mit den Mitarbeitern der Themenkoordination Stürme des Forschungszentrums den Bildgenerator so weiter zu entwickeln, dass er Stürmen einen visuellen Ausdruck geben kann. Ziel ist es, ein Bild zu erhalten, welches sich selbst aus den Daten der Sturmforschung generiert bzw. eine Maschine welche diese Daten in Bewegung, in Bilder, in Kunst übersetzt.

Mitglieder der Jury:

  • Dr. Anke Allner
  • Prof. Dr. Frierich von Borries
  • Dr. Werner Krauss
  • Prof. Anselm Reyle
  • Dr. Simone Rödder
  • Prof. Pia Stadtbäumer
  • Prof. Dr. Hans von Storch

Der Exzellenzcluster »Integrated Climate System Analysis and Prediction« (CliSAP) der Universität Hamburg wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert. Beteiligt sind neben der Universität das Max-Planck-Institut für Meteorologie, das Helmholtz-Zentrum Geesthacht und das Deutsche Klimarechenzentrum. Darüber hinaus gab der Cluster den Anstoß für den Zusammenschluss der Partner zum KlimaCampus Hamburg.
www.klimacampus.de, www.visiting-artist.de