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stringfigures@rhizome.hfbk.net: IAA / Scheitern / Habitat

An einem Mittwoch fuhr ich nach Frankfurt auf die IAA. Ich wollte an meinem Projekt ‚Natürliche Umgebung‘ weiterarbeiten, das ich seit zwei Jahren in unregelmäßigen Abständen lösche und wiederherstelle.

Die natürliche Umgebung von Autos hielt ich für einen spannenden Aspekt über den es sich nachzudenken lohnt. Welche natürliche Umwelt haben Autos? Welches charakteristische Vorkommen haben sie in einer bestimmten geographischen Region, neben anderen Organismen und Faktoren? Lebewesen, Atmosphäre und interelementare Begebenheiten in Bezug auf Automobile sind in dem Land, in dem ich wohne ein durchaus kompliziertes und mit allerlei (Vor)urteilen von vielen Seiten durchwachsenes Konstrukt.

Das Buch „Geräusch einer fernen Brandung“ von Arne Schmitt (2014) bearbeitet das Thema mit Farbfotografien breiter Hauptverkehrsstraßen, „die allerorts Ringe um Kernstädte bilden und Schneisen durch Stadtflächen ziehen. Sie stehen für ein zentrales Moment urbanen Lebens: die Anwesenheit und gleichzeitige Beziehungslosigkeit von Bewohnern und Benutzern der Stadt – einen kleinteiligen Individualverkehr innerhalb einer umfassenden Straßenverkehrsordnung.“ (http://www.k-strich.de/de/kunstler/arne-schmitt/) schon sehr entschieden und herrlich trocken.

Ich begann meine Fotos zur natürlichen Umgebung in einem Autohaus, in welchem ein größerer Kombi erhaben auf einem gerahmten Geröllsandkasten steht. Drumherum anthrazitfarbene Fliesen, sauber. In einem weiteren Autohaus standen auffällig viele Kopierer herum. Eine PKW Messe bestach durch nichts außer einen Slushautomat und lustigen Werbevideos. Das Hamburger Automuseum Prototyp in der HafenCity hinterließ bei mir ein Ensemble aus Belanglosigkeit, Traurigkeit und starker Langeweile. Ich löschte mal wieder den Ordner. Ich stellte ihn wieder her und plante langfristig eine Reise zur IAA Frankfurt. Ein ganzes Jahr wartete ich darauf.

Ich fuhr morgens nach Frankfurt, die Fahrt war gemütlich und ich aß fast all meine Brote auf. Mein Ticket hatte ich online gekauft, ich erwartete Menschenmassen. Es war voll, aber irgendwie auch leer. Das Gelände schien wie für mehr ausgelegt, mehr Aussteller, mehr Menschen, mehr Auto. Ich weiß nicht, was ich 2019 erwartet hatte, aber irgendwie mehr Elemente, mehr zum anfassen und organisches. Es gab Gummibärchen, Messemitarbeiter*innen, die mit ihrem Wedel die Autos abwedelten. Schön lackierte Autos, funky Farben, einen SUV Park im Außenbereich, der umzingelt war von Essensständen, kulinarische Messeklassiker von einigen hippen Foodtrucks unterwandert, Instagram war da, auch Facebook. Mercedes hatte eine eigene Halle, es gab viele weiße Auto-Männer, einer sprach mich an: „Warum hast du keine digitale Hasselblad?“ Gute Frage. Ich hatte es mir grade bei BMW gemütlich gemacht, denn das war der einzig schlaue Stand, bei dem es kostenlos guten Espresso mit einem Schuss Milch aus einem funky Glas gab und kostenloses Wasser aus einem gut designten Wasserhahn in tausende „zu hundert Prozent biologisch abbaubare Einwegbecher aus Maisfaser.“ Ich antwortete „Weil ich es mir nicht leisten kann.“ Der etwa 70 Jahre alte weiße, beleibte Bayer verwickelte mich in ein Gespräch, er sei Unternehmer und der best bezahltest Journalist Deutschlands („Unter 10 000 mache ich es nicht.“). Ich versuchte freundlich aber bestimmt das Gespräch abzubrechen und rief verzweifelt M. an. Mir sei außerordentlich langweilig. So langweilig, dass ich gar nicht wusste, wie langweilig mir auf einer Messe sein kann. „Was hast du denn gedacht?“ fragt mich meine sehr geliebte Vertrauensperson. Ich schweige ihn laut an. Ich sage: „Ja. Stimmt. Ok!“. Wir beenden das Telefonat und ich wandere verzweifelt umher. Das Gelände ist unfassbar groß. Alles ist so ungreifbar, nicht fotografierbar, nicht verständlich. Das ist so viel weniger meine Welt, als ich dachte. Das Auto und sein Netzwerk, seine Lobby, seine Fans, seine Basis, seine Faszination, seine Technik. Ich fühle mich dem so fremd, fremder als jedem Ork.

Esse eine Frankfurter Grüne Soße. Denke nach. Will nach Hause. Zug fährt erst in fünf Stunden. Denke über die Pflanze nach, die meine Sitznachbarin ist. Entscheide, alle Pflanzen auf der IAA zu fotografieren, die ich sehe. Mache das. Orchideen, Pflanzen in Reagenzgläsern, Bambuspflanzen, Gestecke, … greenwashing ist das, oder? Ich finde es lustig, meine Aufgabe gefällt mir und dann fahre ich nach Hause. Ein bisschen leer fühle ich mich trotzdem. „Natürliche Umgebung“ habe ich jetzt aber noch nicht gelöscht.

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; Foto: Ort des Gegen e.V.

Conference: Counter-Monuments and Para-Monuments

The international conference at HFBK Hamburg on December 2-4, 2021 – jointly conceived by Nora Sternfeld and Michaela Melián –, is dedicated to the history of artistic counter-monuments and forms of protest, discusses aesthetics of memory and historical manifestations in public space, and asks about para-monuments for the present.

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; Foto: Charlotte Spiegelfeld

Diversity

Wer spricht? Wer malt welches Motiv? Wer wird gezeigt, wer nicht? Identitätspolitische Fragen spielen in der Kunst und damit auch an der HFBK Hamburg eine wichtige Rolle. Das hochschuleigene Lerchenfeld-Magazin beleuchtet in der aktuellen Ausgabe Hochschulstrukturen sowie Studierendeninitiativen, die sich mit Diversität und Identität befassen.

Grafik: Tim Ballaschke

Semesterstart

Nach drei Semestern Hybrid-Lehre unter Pandemiebedingungen steht nun endlich wieder ein Präsenz-Semester bevor. Wir begrüßen alle neuen Studierenden und Lehrenden an der HFBK Hamburg und laden herzlich zur Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 ein, die in diesem Jahr von einem Gastvortrag von ruangrupa begleitet wird.

Grafik: Sam Kim, Bild im Hintergrund: Sofia Mascate, Foto: Marie-Theres Böhmker

Graduate Show 2021: All Good Things Come to an End

Vom 24. bis 26. September präsentierten die mehr als 150 Bachelor- und Master-Absolvent*innen des Jahrgangs 2020/21 ihre Abschlussarbeiten im Rahmen der Graduate Show in der HFBK Hamburg. Wir bedanken uns bei allen Besucher*innen und Beteiligten.

Foto: Klaus Frahm

Summer Break

Die HFBK Hamburg befindet sich in der vorlesungsfreien Zeit, viele Studierende und Lehrende sind im Sommerurlaub, Kunstinstitutionen haben Sommerpause. Eine gute Gelegenheit zum vielfältigen Nach-Lesen und -Sehen:

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Seit 2010 organisiert die HFBK das internationale Austauschprogramm Art School Alliance. Es ermöglicht HFBK-Studierenden ein Auslandssemester an renommierten Partnerhochschulen und lädt vice versa internationale Kunststudierende an die HFBK ein. Zum Ende ihres Hamburg-Aufenthalts stellen die Studierenden in den Open Studios in der Karolinenstraße aus, die nun auch wieder für das kunstinteressierte Publikum geöffnet sind.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Vermitteln und Verlernen: Wartenau Versammlungen

Die Kunstpädagogik Professorinnen Nora Sternfeld und Anja Steidinger haben das Format „Wartenau Versammlungen“ initiiert. Es oszilliert zwischen Kunst, Bildung, Forschung und Aktivismus. Ergänzend zu diesem offenen Handlungsraum gibt es nun auch eine eigene Website, die die Diskurse, Gespräche und Veranstaltungen begleitet.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Schule der Folgenlosigkeit

Alle reden über Folgen: Die Folgen des Klimawandels, der Corona-Pandemie oder der Digitalisierung. Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie) dagegen widmet sich der Folgenlosigkeit. In der "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verknüpft er Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten „Selbstlernraum“ so, dass eine neue Perspektive auf „Nachhaltigkeit“ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt werden.

Jahresausstellung 2021 der HFBK Hamburg

Jahresausstellung einmal anders: Vom 12.-14. Februar 2021 hatten die Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg dafür gemeinsam mit ihren Professor*innen eine Vielzahl von Präsentationsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen erschlossen. Die Formate reichten von gestreamten Live-Performances über Videoprogramme, Radiosendungen, eine Telefonhotline, Online-Konferenzen bis hin zu einem Webshop für Editionen. Darüber hinaus waren vereinzelte Interventionen im Außenraum der HFBK und in der Stadt zu entdecken.

Studieninformationstag 2021

Wie werde ich Kunststudent*in? Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren? Kann ich an der HFBK auch auf Lehramt studieren? Diese und weitere Fragen rund um das Kunststudium beantworteten Professor*innen, Studierende und Mitarbeiter*innen der HFBK im Rahmen des Studieninformationstages am 13. Februar 2021. Zusätzlich findet am 23. Februar um 14 Uhr ein Termin speziell für englischsprachige Studieninteressierte statt.

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

Am Abend des 4. Novembers feierte die HFBK die Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 sowie die Verleihung des Hiscox-Kunstpreises im Livestream – offline mit genug Abstand und dennoch gemeinsam online.

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?