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Die Tresen-Kolumne: Docklands

Docklands

Ich wurde gestern Nacht mal wieder umgebracht im Traum. Das passiert mir andauernd. Jede Nacht stirbt eine Variante von mir for good or for worse. Schon als Kind saß ich im Traum oft im Garten und es kam fast jede Nacht der Teufel und schoss mit großen Duplosteinen auf mich. Sobald sie mich trafen, saugten sie sich fest an mir und verschlangen Stück für Stück meine Haare, meine Haut. Ich habe eigentlich immer nur mit Lego gespielt, vielleicht waren mir diese großen Duplo-Dinger deshalb suspekt. Dieser Traum hörte auf nach einem Tag im Sommer, wahrscheinlich so 1993. Die Brüder von meinem Freund J. hatten uns gezeigt, wie wir aus unseren geliebten Super Soaker 50 Wassergewehren ganz formidable Flammenwerfer bauen konnten. Man musste immer darauf achten, dass genug Druck im Tank war, denn wurde der Strahl zu kraftlos, konnte er sich auf die Hände und Hosen ergießen und man wurde zu einer Menschenkerze. Ist mir auch schon mal passiert, aber darum geht es jetzt nicht. Wir holten das gesamte Spielzeug aus dem Zimmer von J. und stapelten es zu einem großen Haufen im Garten auf, zündeten die Benzinfeuerzeuge am Ende der Gewehre und tatsächlich, Sekunden später verbrannte unsere Kindheit, traurig schmilzend im Garten. Seine Oma hatte im Keller zu tun und als sie wieder hochkam, gab es ziemlich wütende Ohrfeigen für uns beide. Ein sehr gewaltsames Coming of Age Erlebnis, aber das kannte ich schon von meinem Freund J. Wenn ich an der Tür klingelte, um den Nachmittag dort zu verbringen und er oder seine Brüder ihre flache Hand sich wie ein Messer über den Hals zogen, während sie mich dabei ansahen, wusste ich, heute wird kein guter Tag. Zurück zur letzten Nacht: Ich musste nach Finkenwerder, keine Ahnung warum. Also an der Haltestelle Dockland in die Fähre eingestiegen. Ich war der einzige Mensch im Boot. Normalerweise stößt sich so ein Boot vom Ponton ab und macht dann eine scharfe Kurve in Richtung Flussmitte. Wir glitten aber nur ein paar Meter vom Steg weg um dann direkt nach Rechts zu sliden, hin zum abgesperrten Teil der Docklands, ein Betonponton, rundherum mit Stacheldraht abgezäunt. Dort wurde ich aus dem Boot geschubst und war, so wie es aussah, gefangen. Ich hätte wohl ins Wasser springen können, aber es war Winter und ich hatte nur wenig Lust am Fischmarkt zu erfrieren. Also ging ich auf das Containerhäuschen am Rande des Stegs zu und kurz bevor ich die Tür öffnen konnte, sprang ein Mann* heraus und rammte mir ein langes Küchenmesser in die Brust mit den Worten: Fuck it all. Fuck it all, das denke ich mir manchmal, wenn ich keine Lust habe, irgendwo Energie hinein zu investieren, wenn der Ausgang einer Sache irgendwie undurchsichtig ist und ich keine Kraft habe, mich dort durchzuwursteln. Dann zucke ich mit den Schultern und denke „Fuck it all“. Es ist wirklich bizarr, dass in dieser Redewendung die Androhung von Penetration synonym verwendet wird zu „etwas-einfach-sein-zu-lassen“. „Zero Fucks given“ sollte ich vielleicht sagen, bedeutet fast das selbe. Metaphern haben scheinbar keine Bedeutung. Keine Ahnung was die Messerperson mir damit sagen wollte und was ich mit diesem Traum anfangen soll. Vielleicht war es mein Freund J., der einfach mal wieder einen schlechten Tag hatte. Oder eine Variante von mir, die dabei immer mit den Achseln zuckte und sich dachte, fuck it all.

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; Foto: Ort des Gegen e.V.

Conference: Counter-Monuments and Para-Monuments

The international conference at HFBK Hamburg on December 2-4, 2021 – jointly conceived by Nora Sternfeld and Michaela Melián –, is dedicated to the history of artistic counter-monuments and forms of protest, discusses aesthetics of memory and historical manifestations in public space, and asks about para-monuments for the present.

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; Foto: Charlotte Spiegelfeld

Diversity

Wer spricht? Wer malt welches Motiv? Wer wird gezeigt, wer nicht? Identitätspolitische Fragen spielen in der Kunst und damit auch an der HFBK Hamburg eine wichtige Rolle. Das hochschuleigene Lerchenfeld-Magazin beleuchtet in der aktuellen Ausgabe Hochschulstrukturen sowie Studierendeninitiativen, die sich mit Diversität und Identität befassen.

Grafik: Tim Ballaschke

Semesterstart

Nach drei Semestern Hybrid-Lehre unter Pandemiebedingungen steht nun endlich wieder ein Präsenz-Semester bevor. Wir begrüßen alle neuen Studierenden und Lehrenden an der HFBK Hamburg und laden herzlich zur Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 ein, die in diesem Jahr von einem Gastvortrag von ruangrupa begleitet wird.

Grafik: Sam Kim, Bild im Hintergrund: Sofia Mascate, Foto: Marie-Theres Böhmker

Graduate Show 2021: All Good Things Come to an End

Vom 24. bis 26. September präsentierten die mehr als 150 Bachelor- und Master-Absolvent*innen des Jahrgangs 2020/21 ihre Abschlussarbeiten im Rahmen der Graduate Show in der HFBK Hamburg. Wir bedanken uns bei allen Besucher*innen und Beteiligten.

Foto: Klaus Frahm

Summer Break

Die HFBK Hamburg befindet sich in der vorlesungsfreien Zeit, viele Studierende und Lehrende sind im Sommerurlaub, Kunstinstitutionen haben Sommerpause. Eine gute Gelegenheit zum vielfältigen Nach-Lesen und -Sehen:

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Seit 2010 organisiert die HFBK das internationale Austauschprogramm Art School Alliance. Es ermöglicht HFBK-Studierenden ein Auslandssemester an renommierten Partnerhochschulen und lädt vice versa internationale Kunststudierende an die HFBK ein. Zum Ende ihres Hamburg-Aufenthalts stellen die Studierenden in den Open Studios in der Karolinenstraße aus, die nun auch wieder für das kunstinteressierte Publikum geöffnet sind.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Vermitteln und Verlernen: Wartenau Versammlungen

Die Kunstpädagogik Professorinnen Nora Sternfeld und Anja Steidinger haben das Format „Wartenau Versammlungen“ initiiert. Es oszilliert zwischen Kunst, Bildung, Forschung und Aktivismus. Ergänzend zu diesem offenen Handlungsraum gibt es nun auch eine eigene Website, die die Diskurse, Gespräche und Veranstaltungen begleitet.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Schule der Folgenlosigkeit

Alle reden über Folgen: Die Folgen des Klimawandels, der Corona-Pandemie oder der Digitalisierung. Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie) dagegen widmet sich der Folgenlosigkeit. In der "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verknüpft er Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten „Selbstlernraum“ so, dass eine neue Perspektive auf „Nachhaltigkeit“ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt werden.

Jahresausstellung 2021 der HFBK Hamburg

Jahresausstellung einmal anders: Vom 12.-14. Februar 2021 hatten die Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg dafür gemeinsam mit ihren Professor*innen eine Vielzahl von Präsentationsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen erschlossen. Die Formate reichten von gestreamten Live-Performances über Videoprogramme, Radiosendungen, eine Telefonhotline, Online-Konferenzen bis hin zu einem Webshop für Editionen. Darüber hinaus waren vereinzelte Interventionen im Außenraum der HFBK und in der Stadt zu entdecken.

Studieninformationstag 2021

Wie werde ich Kunststudent*in? Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren? Kann ich an der HFBK auch auf Lehramt studieren? Diese und weitere Fragen rund um das Kunststudium beantworteten Professor*innen, Studierende und Mitarbeiter*innen der HFBK im Rahmen des Studieninformationstages am 13. Februar 2021. Zusätzlich findet am 23. Februar um 14 Uhr ein Termin speziell für englischsprachige Studieninteressierte statt.

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

Am Abend des 4. Novembers feierte die HFBK die Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 sowie die Verleihung des Hiscox-Kunstpreises im Livestream – offline mit genug Abstand und dennoch gemeinsam online.

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?