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2013/09/20: Preis der Nationalgalerie für junge Filmkunst an Victor Orozco Ramirez

HFBK-Absolvent gewinnt 10.000 Euro für seinen Abschlussfilm »Reality 2.0«

Die Preisträger wurden durch die Jury der Nationalgalerie im Museum Hamburger Bahnhof in Berlin bekannt gegeben: Neben der Künstlerin Mariana Castillo Deball, die den Preis für junge Kunst erhielt, zeichnete die Jury den gleichfalls aus Mexiko stammenden Hamburger Filmemacher Victor Orozco Ramirez für seinen dokumentarischen Animationsfilm »Reality 2.0« (D 2011, 10:30 min) mit dem Preis für junge Filmkunst in Höhe von 10.000 Euro aus. Dieser wurde zum zweiten Mal von der Nationalgalerie in Zusammenarbeit mit der Deutschen Filmakademie vergeben.

Mit seinem HFBK-Abschlussfilm »Reality 2.0« wirft Victor Orozco Ramirez einen Blick zurück auf seine Heimat Mexiko, der zwischen Sehnsucht und Schrecken schwankt. Die nahezu poetischen Bilder der Gewaltexzesse einer von Drogenkriegen erschütterten Gesellschaft verhalten sich bewusst anachronistisch und gegensätzlich zur Bildproduktion der elektronischen Medien. Über die animierten Zeichnungen wird eine ästhetische Distanz erzeugt, die eine emotionale Annäherung jenseits von Schock und Zynismus möglich macht. So appellieren die filmischen Bilder an eine Menschlichkeit, die der kühl analysierende Kommentar längst aufgegeben hat. Die Doku-Animation über die endlose Spirale der Drogengewalt in Mexiko überzeugte mit ihrer eigenwilligen Bildsprache die Jury. In der Begründung zur Preisvergabe heißt es: »Ramirez findet eine reiche Bildsprache zu seiner einprägsamen, behutsam entwickelten Erzählung«. Der preisgekrönte Film ist nun für vier Monate lang im Hamburger Bahnhof in einem eigens eingerichteten Projektionsraum zu sehen.

Victor Orozco Ramirez (39) schloss 2011 sein Filmstudium an der HFBK mit dem Master of Fine Arts ab. »Reality 2.0« lief bereits auf zahlreichen nationalen und internationalen Festivals und gewann u.a. den Karl H. Ditze Preis für die beste Abschlussarbeit, den HFBK-Filmpreis sowie den First Steps Award 2012. Die Preisverleihung an Orozco Ramirez kann als großer Erfolg für die Filmausbildung an der Hochschule für bildende Künste Hamburg gewertet werden, die von Professoren wie Pepe Danquart, Angela Schanelec, Wim Wenders oder Robert Bramkamp verantwortet wird. Zudem setzt sie den Reigen der HFBK-Absolventen, die für den Preis der Nationalgalerie nominiert wurden, fort – zuletzt waren das Christian Jankowski (2000), Daniel Richter (2002), John Bock (2005), Jeanne Faust (2007) und Annette Kelm (2009).
www.preis2013.de, www.hamburgerbahnhof.de