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2017/09/19: Paul Spengemann erhält Bundespreis für Kunststudierende

Der HFBK-Student Paul Spengemann ist einer von acht Studierenden bundesdeutscher Kunsthochschulen, die für 2017 mit dem »Bundespreis für Kunststudierende« ausgezeichnet wurden. Zum 23. Mal lud das Bundesministerium für Bildung und Forschung in diesem Jahr die deutschen Kunsthochschulen und Akademien zu einem Bundeswettbewerb ein.

Bisher fand dieser unter dem Titel »Kunststudentinnen und Kunststudenten stellen aus« statt. Auf Initiative der beteiligten Kunsthochschulen wurde er jetzt neu konzipiert und in »Bundes­preis für Kunststudierende« umbenannt. Künftig wird die Ausstellung zum Wettbewerb den Preisträgerinnen und Preisträgern vorbehalten sein, die im Vorfeld anhand von Portfolios ermittelt werden. In diesem Jahr wird der seit 1983 alle zwei Jahre ausgelobte Preis zum ersten Mal nach dem neuen Konzept vergeben.

Die teilnahmeberechtigten Kunsthochschulen nominieren zwei Studierende oder studentische Teams für den Wettbewerb. Die Hochschulen bestimmen das Verfahren zur Auswahl und Nominierung der Studierenden eigenverantwortlich. Einzige Bedingung: Die Teil­nehmerinnen und Teilnehmer müssen zum Zeitpunkt der Nominierung als ordentliche Studierende immatrikuliert sein.

Der »Bundes­preis für Kunststudierende« ist mit einem Preisgeld von insgesamt 30.000 Euro dotiert. Die unabhängige Jury legt die Anzahl der Preise und, in Abhängigkeit davon, die Höhe des jeweiligen Preisgeldes fest. Die Produktionsstipendien sind insgesamt mit 18.000 Euro dotiert. Sie dienen der gezielten Produktion von Kunst­werken für die Ausstellung durch die Preisträge­rinnen und Preisträger. Das Budget für die Produktionsstipendien wird zu gleichen Teilen unter den von der Jury ernannten Preisträgerinnen und Preisträgern aufgeteilt.

Paul Spengemann, 1987 bei Hamburg geboren, kommt ursprünglich aus dem Bereich des narrativen Films. Das dort gelernte Handwerkszeug überträgt er auf seine künstlerischen Arbeiten, dekonstruiert dabei durch Kontextverschiebung und setzt das manipulative Potenzial des narrativen Films für seine Zwecke ein. Spengemann springt in seinen zumeist installativ gezeigten Filmen virtuos von einem filmischen Stilmittel zum nächsten und wechselt, wie in einer fehlgeleiteten Übersetzungs­app, ständig wie zufällig die (ikonografische) Sprachauswahl. Diese babylonische Vielsprachig­keit erzeugt im Film unterschiedliche aufeinanderfolgende Dynamiken, wie Erregung, Stille, Konzentration oder Hingabe – durch Einsatz von Licht, Regen, Zeitlupe und Zeitraffer. Die Konzentration richtet sich dabei auf die ihn umgebende Architektur und auf das, was an Requisiten in ihr steht. Unterstützt durch eine effektreiche, atmosphärische Tonspur wird ein Spannungsbogen aufgebaut, der sowohl Verweise auf klassische Filmgenres enthält als auch an professionelle Werbefilme erinnert. Spengemann operiert mit Bildern, die vielen aus einem anderen Kontext vertraut sind, die aber durch die Verschiebung in einen anderen Raum ins Leere laufen und demaskiert werden.
(Bettina Steinbrügge)

Die Jury 2017:

Rita Kersting
Stellvertretende Direktorin, Museum Ludwig, Köln

Matthias Ulrich
Kurator, Schirn Kunsthalle Frankfurt

Bettina Steinbrügge
Direktorin, Kunstverein in Hamburg


Bundespreis für Kunststudierende
Ausstellungseröffnung und Preisverleihung
9. November 2017, 19 Uhr
Ausstellung
10. November 2017 – 28. Januar 2018
Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland
Friedrich-Ebert-Allee 4, Bonn
www.bundeskunsthalle.de