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3 Notizen zu: Generation Wealth in den Deichtorhallen

3 Notizen zu: „Generation Wealth“, Lauren Greenfield, Dokumentarfilm und Ausstellung, Haus der Photographie

1 Trust-Fund-Kids, Oligarchenfrauen, Immobilienmogule, gefeierte Stripper, schönheitsoperierte Busfahrerinnen und neureiche Chinesen sind die Protagonist*innen von Lauren Greenfields Dokumentarfilm „Generation Wealth“, dessen zugehörige Fotografieausstellung gestern in den Deichtorhallen eröffnete. Über Jahrzehnte dokumentierte die Fotografin in ihrem Projekt die Auswüchse der spätkapitalistischen Gesellschaften der ganzen Welt, eine Welt, die von Statusdenken durchdrungen ist. Reicher, schöner, jünger sein, und mit dem was man hat, protzen.

2 Greenfield dokumentiert diese Welt, tut dies – auch wenn sie in ihrem Film selbst als Protagonistin auftritt – mit großer Distanz zu ihren Subjekten. Zu Florian Homm, dem Hedgefondsmanager, der wegen unlauterer Geschäftspraktiken die USA nicht mehr betreten darf. Zu Stripclub-Besitzern, oder zu Pornosternchen, die ihr Leben lang ausgebeutet werden. Sie lässt sie reden, mit ihren Erfolgen prahlen oder über ihr Versagen weinen. Man weiß nicht recht, ob sie Mitleid empfindet oder Geringschätzung oder einfach nur Neugierde. Ihr „ethnographischer“ Ansatz, mit dem sie seit Beginn ihrer Karriere die Rich Kids ihrer Schule festhielt, bleibt streng neutral.

3 Greenfield zeigt zwar Tiefen und Untiefen der Gier, aber tut dabei so, als wäre das System gottgegeben. Bei ihrem Fokus auf schockierende Hochglanz-Bilder und auf Skandal-Geschichten bleiben viele Fragen garnicht angesprochen. Das System Kapitalismus, muss es nicht von Grund auf überdacht, reglementiert werden? Tragen Menschen wie Florian Homm nicht direkte Verantwortung für die Situation überschuldeter Familien, die auf die Tücken des Systems niemals vorbereitet wurden, niemals eine Chance hatten? Und wenn am Ende dann die Ausgebeuteten vor ihrer Kamera für ihre Dummheit, dem Geld nachgelaufen zu sein, um Vergebung bitten, könnte man fast meinen sie wären selbst Schuld an ihrer Situation. Hinter dem „Blick der Ethnographin“ verbirgt sich vielleicht ja doch keine forschende Neutralität. Sondern vielmehr ausbeuterischer Voyerismus.

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