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Die Tresen-Kolumne: Bratwurstschnecke

Diese Woche wurde mein Buch gedruckt in Sachsen Anhalt. Wir fuhren hin um dem Andruck beizuwohnen, denn das ist der letzte Moment, in dem man noch etwas verändern kann. Der Betriebsleiter gab uns eine Führung durch die Hallen, wir mussten brüllen, um uns zu verständigen. Menschen mit großen Schraubenschlüsseln kletterten von Walzenturm zu Walzenturm, prüften Hydraulikleitungen und fuhren mit Gabelstaplern durch die Gänge. Auf jeder Maschine, als Werbegeschenk von Alpina: eine große Deutschland Fahne auf dem metallischen Korpus der Druckanlage, befestigt mit Magneten, auf denen Lederhosen-tragende Teddybären große Humpen Bier tranken. Wir druckten ein Buch über den westdeutschen Mittelstand im ostdeutschen Mittelstand, der hier gar nicht so anders aussah wie drüben. Ob sie sich wohl über das Buch unterhielten, das so hieß wie sie? Wahrscheinlich nicht, dachte ich mir. Als Geselle im Fotolabor hatte ich auch irgendwann aufgehört, mir Gedanken über die Bilder der anderen zu machen. Es wurde zu einer Frage von Zeichnung und Mitteltonwerten. Was drauf war, war in erster Linie egal. In Beratungsgesprächen mit handwerklichen Expertiseträger_innen, versuche ich immer, aus den hinteren Speicherorten meines Körpers, die sprachliche- und körperliche Verhaltensweise meiner Gesellenzeit wieder hervorzukramen, um so, vermeintlich, eine bessere Kommunikation zu ermöglichen: Schulterklopfdeutsch, durchzogen von technischen Nullsätzen: „Wenn der Mittelwert sitzt, dann läuft der Rest nach“. Die Belegschaft nickt, ich schäme mich für soviel Daddyness. Vielleicht hätten sie sich gern über die Bilder unterhalten und meine handwerkliche Sprachunterstellung tut ihnen unrecht. Vielleicht warten sie einfach darauf, dass ich fertig bin mit meinen Quatschsätzen, damit sie einfach weiterarbeiten können, denn dann wird es eh besser. Es gibt nämlich noch so viel zu tun dort: Stolz erzählt uns der Betriebsleiter von dem großen Jackpot der Druckerei. Seit 20 Jahren werden dort alle DHL-Abwesenheitskarten und Paketaufkleber gedruckt, jeden Tag im Schichtbetrieb, also 24 Stunden. Nach Weihnachten, wenn alle ihre Geschenke wieder zurückschicken, dann ist genau dort, wo gerade die Druckbögen für meine Anklage herausfallen, Doppelschicht angesagt. Dann braucht die Post einfach 30 Millionen Stück mehr von diesen Karten und ich hab jetzt ein paar freundlich nickende Gesichter dazu im Kopf. Draussen auf dem Parkplatz entrollt sie sich dann auch langsam, die sprechende Bratwurstschnecke, die ich für eine kurze, aufregende Zeit, ungewollt geworden bin.

https://rhizome.hfbk.net/p/236680


Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Jahresausstellung 2020 an der HFBK Hamburg

Zur Jahresausstellung der HFBK Hamburg präsentieren rund 800 Studierende drei Tage lang ein breites Spektrum künstlerischer Arbeiten: von Film und Fotografie über Performance, Skulptur und Malerei bis hin zu Raum- und Soundinstallationen sowie Designentwürfen. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, sich ein Bild von den aktuellen Produktionen der Hochschule.

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Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?