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Die Tresen-Kolumne: Burgmauern

Gestern bin ich über Steilshoop nach Poppenbüttel gelaufen. Über die auslaufenden Reste Barmbeks, die eine enge Kette von Nadelbaum besäumten Einfamilienhäusern mit weiß geklinkertem Unterteil und dunklen Rauspunddeckeln sind, wachsen die Häuser langsam, je weiter man Richtung Norden kommt, in die Höhe, erst vier Stockwerke, dann sechs, später zehn. Um die kleineren Häuser: Moosbewachsene grüne Säume, die eine gedankliche und zeitliche Verbindung zur benachbarten Bürosiedlung City Nord darstellen. Die Konzepte der 60er Jahre sind nicht aufgegangen. Bürostadtteile haben sich, ausserhalb der innerstädtischen Prestigezone, nicht durchgesetzt. Dementsprechend welkt der daneben errichtete Wohn- und Einkaufsblock für die Familien der Arbeiter_innen, abgeschnitten von seiner Versorgungslinie nun vor sich hin. Das bauliche Zentrum von Steilshoop ist der verschränkte Häuserriegel um das EKZ Steilshoop, ein geschwungenes S aus zehnstöckigen Häusern, die sich wie eine Burgmauer um das Einkaufszentrum legen. Dieser Form von Architektur wohnte in ihrer Bauzeit eine Idee von Zukunft der Städte inne, in der als Gegenmodell zur Gesamtstadt als Netzwerk, die Stadtteile als eigenständige Verschränkung von Arbeit, Sorge, Einkauf und Freizeit erdacht wurden. Dieses Versprechen löste sich nie ein, fast alle Bauprojekte aus dieser Zeit sind irgendwann ins Dystopische gekippt, wie z.B. das Ihme-Zentrum in Hannover oder das Bonner Loch. Vielleicht, weil die verwinkelten, mehrstufigen, durchtunnelten und überbauten Stadtinstallationen gut gemeint aber unpraktisch sind: Es ist ein schmaler Grad zwischen verwinkelten Schutzräumen und Bedrohungsszenario für andere. Vielleicht aber auch, weil sich Klassengrenzen nicht einfach so wegbauen lassen und Steilshoop weit genug im Norden liegt, um nicht aus Versehen durch zu müssen. Es gibt den Stadtteilmythos in Steilshoop, dass unter dem besagten EKZ eine fertig gebaute U-Bahn Haltestelle darauf wartet, eröffnet zu werden und die Nordlinie nun die Bewohner_innen der Gründgenstraße mit der restlichen Stadt im Süden verbindet. Die HVV nahm sich 2017 diesem Mythos an und erklärte auf ihrem Blog, dass im UG des EKZ zwar die selbe Fliesung, wie beim Haltestellenbau einer U-Bahn verwendet wurde, es sich dabei aber immer nur um einen Fußgänger_innentunnel handelte. Darunter gäbe es nichts: „Was am Ende bleibt: Steilshoop hat keine U-Bahn“. Noch nicht, denn tatsächlich wird in absehbarer Zukunft die Linie U5 dort eine Haltestelle bekommen, allerdings den Stadtteil nicht mit der südlichen Innenstadt, sondern mit der im Westen gelegenen City Nord verbinden. Das Echo in den Kommentarspalten der HVV-Artikel ist verhalten, so hatte man sich die Entzauberung des Mythos von der Anbindung an die Reststadt nicht vorgestellt.

https://rhizome.hfbk.net/p/234855


Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Jahresausstellung 2020 an der HFBK Hamburg

Zur Jahresausstellung der HFBK Hamburg präsentieren rund 800 Studierende drei Tage lang ein breites Spektrum künstlerischer Arbeiten: von Film und Fotografie über Performance, Skulptur und Malerei bis hin zu Raum- und Soundinstallationen sowie Designentwürfen. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, sich ein Bild von den aktuellen Produktionen der Hochschule.

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?