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Die Tresen-Kolumne: Kurze Jugend, lange Jugend

Kurze Jugend, lange Jugend

Ich habe tatsächlich eine Wohnung bekommen. Ganz ohne Schummeln: echter Name, echte Einkünfte, keine Bürgschaft, keine Untermietvertäge. Das ist so ein richtiges Erwachsenenachievment – legitime Vertragspartner_in zu sein. Meine Freunde, mit denen ich zur Schule gegangen bin, hatten das alle schon mit Anfang 20 erreicht. In der Schule waren wir die Hardcore-Kids, sind zusammen auf Konzerte gefahren, haben im Skatepark abgehangen. Ihre schnelle Metamorphose zu Erwachsenen, die Berufe haben und Familien gründen, hab ich ihnen lange Übel genommen – die waren früher doch Punks. Heute glaube ich, dass diese Subkultur, vor allem ihre Ausprägung als Hardcoremusik, eigentlich nur eine große Vorbereitung auf das Leben in der bürgerlichen Kleinfamilie ist. Loyalität, Freundschaft, Echtheit, das sind die großen Werte mit denen da rumgeworfen wird. Da ist kein Platz für Ambivalenzen. Und ich war sauer. Jetzt, im Nachhinein, glaube ich, dass uns auch die Klassenunterschiede entzweit haben. Es ist schon interessant, die Berufe der Eltern meiner Freunde, die schnell „erwachsen“ wurden, mit denen jener Eltern zu vergleichen, deren Kinder lange „Jugendliche“ bleiben konnten. Und da ergibt sich relativ schnell: Die Eltern meiner, früh unserer gemeinsamen Jugend entwachsenen, Freunde sind technische Zeichner_innen, Krankenpfleger_innen, Polizist_innen, Kosmetiker_innen, Verwaltungsangestellte, Schweißermeister_innen, Einzelhändler_innen für Unterhaltungstechnik. Der Freund von früher, mit dem ich noch am meisten zu tun habe, eben weil wir uns dieselbe Unsicherheit den Verpflichtungen des kapitalistischen Lebens und seiner Ausprägung in der Kleinfamilie gegenüber teilen, ist Sohn zweier Ärzt_innen. Die Familien der Anderen hatten jetzt nicht unbedingt weniger Geld als wir, aber es herrschte ein anderes Verständnis von Lebenspriorisierung. „Irgendwas“ studieren konnten die meisten nicht. Da wurde stärker darauf geachtet, ob aus dem Studium ein Beruf resultiert, von dem man leben kann. Also waren Geisteswissenschaften und Kunst meist nicht in der engeren Auswahl. Und so kam es auch: Allen geht es gut, sie sind inzwischen selbst Schweißermeister_in, Erzieher_in oder zeichnen Schalttafeln für Durchlauferhitzer. Sie haben Ressorts zu leiten, Abteilungen zu teamen, stehen allgemein in der Verantwortung. Ich bin trotzdem kein Fan der Eigentums- und Familienidee, und ich weiß auch, dass das Eine nicht automatisch aus dem Anderen resultiert. Ich kann aber unsere gegenläufigen Lebensentwürfe nun ein bisschen besser verstehen, bzw. verstehe ich jetzt, dass die spezifische Sicherheit des Beamtentums meiner Eltern, die mir gefühlt ein Leben in zornigem und jugendlich-nervigem Besserwissen ermöglicht und übergestülpt hat, bei den anderen vielleicht gar nie eine so große Möglichkeit war. Und jetzt, wenn wir uns nicht mehr sehen zwischen den Weihnachtstagen, weil wir uns so wenig teilen, dann weiß ich: Uns haben eben auch die Klassenunterschiede entzweit.

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; Foto: Ort des Gegen e.V.

Conference: Counter-Monuments and Para-Monuments

The international conference at HFBK Hamburg on December 2-4, 2021 – jointly conceived by Nora Sternfeld and Michaela Melián –, is dedicated to the history of artistic counter-monuments and forms of protest, discusses aesthetics of memory and historical manifestations in public space, and asks about para-monuments for the present.

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; Foto: Charlotte Spiegelfeld

Diversity

Wer spricht? Wer malt welches Motiv? Wer wird gezeigt, wer nicht? Identitätspolitische Fragen spielen in der Kunst und damit auch an der HFBK Hamburg eine wichtige Rolle. Das hochschuleigene Lerchenfeld-Magazin beleuchtet in der aktuellen Ausgabe Hochschulstrukturen sowie Studierendeninitiativen, die sich mit Diversität und Identität befassen.

Grafik: Tim Ballaschke

Semesterstart

Nach drei Semestern Hybrid-Lehre unter Pandemiebedingungen steht nun endlich wieder ein Präsenz-Semester bevor. Wir begrüßen alle neuen Studierenden und Lehrenden an der HFBK Hamburg und laden herzlich zur Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 ein, die in diesem Jahr von einem Gastvortrag von ruangrupa begleitet wird.

Grafik: Sam Kim, Bild im Hintergrund: Sofia Mascate, Foto: Marie-Theres Böhmker

Graduate Show 2021: All Good Things Come to an End

Vom 24. bis 26. September präsentierten die mehr als 150 Bachelor- und Master-Absolvent*innen des Jahrgangs 2020/21 ihre Abschlussarbeiten im Rahmen der Graduate Show in der HFBK Hamburg. Wir bedanken uns bei allen Besucher*innen und Beteiligten.

Foto: Klaus Frahm

Summer Break

Die HFBK Hamburg befindet sich in der vorlesungsfreien Zeit, viele Studierende und Lehrende sind im Sommerurlaub, Kunstinstitutionen haben Sommerpause. Eine gute Gelegenheit zum vielfältigen Nach-Lesen und -Sehen:

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Seit 2010 organisiert die HFBK das internationale Austauschprogramm Art School Alliance. Es ermöglicht HFBK-Studierenden ein Auslandssemester an renommierten Partnerhochschulen und lädt vice versa internationale Kunststudierende an die HFBK ein. Zum Ende ihres Hamburg-Aufenthalts stellen die Studierenden in den Open Studios in der Karolinenstraße aus, die nun auch wieder für das kunstinteressierte Publikum geöffnet sind.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Vermitteln und Verlernen: Wartenau Versammlungen

Die Kunstpädagogik Professorinnen Nora Sternfeld und Anja Steidinger haben das Format „Wartenau Versammlungen“ initiiert. Es oszilliert zwischen Kunst, Bildung, Forschung und Aktivismus. Ergänzend zu diesem offenen Handlungsraum gibt es nun auch eine eigene Website, die die Diskurse, Gespräche und Veranstaltungen begleitet.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Schule der Folgenlosigkeit

Alle reden über Folgen: Die Folgen des Klimawandels, der Corona-Pandemie oder der Digitalisierung. Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie) dagegen widmet sich der Folgenlosigkeit. In der "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verknüpft er Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten „Selbstlernraum“ so, dass eine neue Perspektive auf „Nachhaltigkeit“ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt werden.

Jahresausstellung 2021 der HFBK Hamburg

Jahresausstellung einmal anders: Vom 12.-14. Februar 2021 hatten die Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg dafür gemeinsam mit ihren Professor*innen eine Vielzahl von Präsentationsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen erschlossen. Die Formate reichten von gestreamten Live-Performances über Videoprogramme, Radiosendungen, eine Telefonhotline, Online-Konferenzen bis hin zu einem Webshop für Editionen. Darüber hinaus waren vereinzelte Interventionen im Außenraum der HFBK und in der Stadt zu entdecken.

Studieninformationstag 2021

Wie werde ich Kunststudent*in? Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren? Kann ich an der HFBK auch auf Lehramt studieren? Diese und weitere Fragen rund um das Kunststudium beantworteten Professor*innen, Studierende und Mitarbeiter*innen der HFBK im Rahmen des Studieninformationstages am 13. Februar 2021. Zusätzlich findet am 23. Februar um 14 Uhr ein Termin speziell für englischsprachige Studieninteressierte statt.

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

Am Abend des 4. Novembers feierte die HFBK die Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 sowie die Verleihung des Hiscox-Kunstpreises im Livestream – offline mit genug Abstand und dennoch gemeinsam online.

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?