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Die Tresen-Kolumne: Wortschwamm

Die Aktion des Zentrums für Politische Schönheit einer „Schwur- und Gedenkstätte gegen den Verrat an der Demokratie“ hatte in den vergangenen Wochen ordentlich Backfire erzeugt. Geplant war, den Kern der Betonstele vor dem deutschen Bundestag mit der Asche eines Massengrabes aus Auschwitz zu füllen. Mehrere jüdische Stimmen und Institutionen wehrten sich erfolgreich gegen die aufmerksamkeits-ökonomische Verwertung der Toten für ein Kunstprojekt einer überwiegend weiß-christlich sozialisierten Gruppe. Das ZPS entschuldigte sich und übergab die Asche der orthodoxen Rabbinerkonferenz. Die Stele steht nun aber dennoch, mit neutralem Betonkern, vor dem Bundestag und beschwört in pastoralem Ton eine spezifisch deutsche Vernunft: „Ich schwöre Tod durch Wort und Tat, Wahl und eigne Hand – wenn ich kann – jedem der die Demokratie zerstört.“ Da kann man schon richtig Gänsehaut bekommen bei so viel saftigem Wortschwamm. Und was da klingt wie der Einstellungsschwur beim Verfassungsschutz, der es ja selbst mal auf das ZPS abgesehen hatte, ist scheinbar auch ein bisschen so gemeint: Die deutsche Gesellschaft als Bürger_innenwehr zur Bewahrung irgendwelcher geteilten Werte. Was das ZPS aber mit Demokratie meint, wird nirgendwo ausgeführt und so muss angenommen werden, dass sie damit den Status Quo meinen, also die Demokratie des christlich-weißen Bürgertums, dessen aufklärerische Vernunft es aus gutem Willen tolerant gegenüber all jenen handeln lässt, die in dieser Demokratie leider keine Agent_innen haben. Mich nervt das metaphysische Wortgeballer so sehr, weil es die deutschen autoritären Strukturen nicht als immanentes Strukturproblem versteht, sondern als lauernde singuläre Krankheit, deren Anfängen man sich durch Opferbereitschaft wehren kann, wie gegen eine Erkältung. Klar kann und muss man (also ich z.B.) sich der autoritären Zuspitzung, die irgendwann im Faschismus endet, erwehren, doch bitte nicht als opferbereite, undefiniert schöne, humanistische, selbsternannte Sturmtruppe. Und obwohl ich manche Aktionen weniger blöd als andere fand, liegt das Problem hier glaube ich tief vergraben in der hermetischen Normativität ihres politischen Anspruchs, die im Gegensatz zu Schlingensiefs satirischer Überaffirmation der Sprache des reaktionären Gegners, hier ganz spaßbefreit ernstgemeint ist. Und so bleibt die Definitionsmacht über Schönheit, Demokratie und Aggression eben beim ZPS und ihrer pastoralen, deutschen und normativen Tätersprache, anstatt einfach mal die Klappe zu halten und den Gruppen die Diskussion zu überlassen, für deren Opfergeschichte man dort kämpft.

https://rhizome.hfbk.net/p/227799


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Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

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Zur Jahresausstellung der HFBK Hamburg präsentieren rund 800 Studierende drei Tage lang ein breites Spektrum künstlerischer Arbeiten: von Film und Fotografie über Performance, Skulptur und Malerei bis hin zu Raum- und Soundinstallationen sowie Designentwürfen. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, sich ein Bild von den aktuellen Produktionen der Hochschule.

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Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?