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3 Notizen zu Kunst und Quarantäne

3 Notizen zu: Kunst und Quarantäne

1 Ausgerechnet ein Handschlag hätte die Geste sein sollen, um übermorgen abend in der Bar des Kunstverein Harburger Bahnhof die Übergabe zwischen der "Bar Putti" und dem neuen "Abyssal"-Projekt des Bad Boy Jesus City Swimmers Club zu vollziehen. Und wo dieser Handschlag Corona-bedingt sowieso nur mit Gummihandschuhen stattfinden hätte können, ist er nun leider ganz abgesagt - so wie sämtliche anderen Kulturveranstaltungen in der nächsten Zeit, ob klein oder groß. Die Hamburger Museen haben sowieso schon längst ihre Tore geschlossen.

2 Es ist eine Ausnahmesituation, die in erster Linie vor allem für berechtigte Existenzängste sorgt - gerade im Kulturbereich sind Festanstellungen selten, sind viele auf Nebenjobs in jetzt geschlossenen Bars angewiesen. In zweiter Linie zeigt die Situation aber auch, dass man in (selbst)verordneter Quarantäne nicht nur Nudeln und Toilettenpapier braucht, sondern vor allem Kulturangebote, um nicht verrückt zu werden. Jetzt ist die Zeit, die Arte-Mediathek oder den Ubu-Filmindex zu konsultieren, ein Mubi Abo abzuschließen, auf Youtube die trashige HFBK-Telenovela Art City Hamburg oder Britta Thies großartige Webserie Translantics nochmal anzusehen oder dem InstaStory-Kunst-Channel THE PEEPHOLE zu folgen.

3 Social Distancing im Kunstbetrieb, das zeigt in dritter Linie aber auch, wie sehr wir auch im 21. Jahrhundert, in Zeiten von online-Ausstellungen auf Artviewer und anderen Blogs auf persönlichen Kontakt angewiesen sind. Es zeigt, wie sehr gerade im Off-Bereich Ausstellungen auch ein Netz von Beziehungen und Handschlägen abbilden, dass Kunst kein reines Konsumieren ist, sondern vor allem auch ein Mittel zur Kommunikation.

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