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"String figures" auf rhizome.hfbk.net: Fragile Konstellationen

Fragile Konstellationen

Vorgestern war ich bei einem Screening zu einer Ausstellung im Kunstverein Harburger Bahnhof. Dort wird aktuell „Rheingold. Tun, was zu tun ist.“ von Alex Wissel und Jan Bonny gezeigt. Ist ganz gut die Ausstellung. Die Webserie kann man hier nachsehen - noch besser: www.volksbuehne.berlin/de/programm/fullscreen/869/rheingold/3408

Es ging um Hochstapler und das anschließende Gespräch war toll, alle haben von der Hochstapelei erzählt und dass man bei dem einen Hochstapler (K.-T. zu Guttenberg) entrüsteter ist als bei dem anderen (H. Achenbach). Ich merke, wie ich den Hochstapeltratsch genieße und gefangen bin in meiner eigenen Freude an merkwürdigen Hochstaplern. Es began mit der erstaunlichen Karriere des Mehmet Göker. Versicherungsvertreter lief früher mal kostenlos auf YouTube. Jetzt hat er es bis zu Netflix geschafft: www.netflix.com/de/title/80113220

Kann ich nur empfehlen. Ich mag diese Filme. Auch über den Motivationstrainer Jürgen Höller gab es mal so einen Film. Ich zieh mir das dann rein und staune und lache und das Lachen bleibt mir im Halse stecken. Ich frage mich, warum ich das gut finde und bemitleide diese Leute ein bisschen, dabei brauchen sie mein Mitleid gar nicht, denn sie kommen kurz in den Knast und wieder raus und laden dann Künstler (Wissel) zum Essen (Muscheln mit Käse überbacken) ein (Achenbach) und feiern sich selbst so dermaßen, dass man sich fragt ob sie eine Dauerration Koks im eigenen Körper selbst produzieren. Meine Klassenkameradin Leyla war mal mit Göker zusammen. Da kannte ihn niemand, ich auch nicht. Aber er war schon fast ganz reich. Ich war circa achtzehn Jahre alt und sie lud mich und ein paar andere aus der Klasse ein, dass wir zusammen mit dem weißen BMW Cabrio von ihrem Freund an den Edersee campen fahren. Ich war dabei und in meiner Erinnerung flogen unsere Haare wild durch den Fahrtwind und wir haben laut R’n’B gehört und dann haben wir in Schlafsäcken am Edersee gepennt und morgens sind wir zurück gefahren. Vielleicht haben wir noch Dosenravioli gegessen. Vielleicht ist das auch erfunden. Weiß ich nicht mehr.

Göker war auch sonst immer irgendwie in Kassel sichtbar. Denn plötzlich fuhren ziemlich viele teure Autos mit relativ jungen Männern in sehr hoher Geschwindigkeit durch die Stadt und ich habe mich immer gefragt, woher die die Kohle haben. Weiß ich jetzt.

Keine Ahnung wie das mit Leyla und Göker weiterging, so gut waren wir nicht befreundet. Aber ich erinnere mich an die nächste Begegnung mit Göker. Mit meiner Mitfahrgelegenheit fuhr ich morgens gegen fünf oder sechs Uhr von Kassel nach Dresden. Und vor uns auf der Autobahn schossen echt verdammt viel Porsches (Ich habe eben den Plural von Porsche gegoogelt.) aus der Ausfahrt - megaschnell. Und mein Sitznachbar meinte: „Eh, is Göker aufgeflogen?“ Und ich lachte. Und ja, in den Lokalmedien kam dann schnell raus: Göker ist aufgeflogen.

Und dann gab es ja irgendwann die Dokumentation „Versicherungsvertreter“ und später sogar „Versicherungsvertreter 2“.

Also worauf ich hinaus will: der Tratsch und die Sehnsucht nach diesen Geschichten, einfach nach irgendwelchen Geschichten macht diese Hochstapelei ja so romantisch. Bis dann einer erschossen wird, aber dann gibts wieder eine neue Serie darüber und es ist wieder romantisch. Oder andersrum (4 Blocks).

Und ich kann mich grad selbst so schlecht sortieren, alle Gedanken sind noch so frisch, aber gestern habe ich mit R. darüber gesprochen, dass ihm jemand sagte, er solle doch mehr Behauptungen aufstellen. Und mir fiel dann ein, dass mir das im Kunststudium auch oft gesagt wurde. Du musst etwas behaupten und dann selbstbewusst nach außen treten. Ich mag das aber nicht. Ich mag es, wenn man den Leuten beim Arbeiten zusehen kann, bei der Entwicklung und bei der Herausforderung immer wieder abzuwägen und neu zu überlegen. Das macht überhaupt meinen Alltag und meine Arbeit aus. Ich will nicht sehr entschieden auf einer Position beharren. Ich will beharrlich auf vielen Positionen sein, Perspektiven wechseln, die Wackelbrücken betreten und darüber rennen.

Ich mag das bei Künstler*Innen, Vorträgen, Büchern, Musik…, alles was fragil und in Arbeit ist, was nicht festgezurrt ist, gelackt und abgeschlossen.
Alles muss beweglich bleiben (Behauptung). Denn es ist ohnehin nichts fest oder wahr und wenn, dann nur kurz. Michaela Ott hat mal gesagt, dass es ja auch sein könne, dass morgen die Sonne nicht mehr aufgeht. Das habe ich mir gemerkt. Das war so schön und hat mich so erleichtert.

Ein jedes System ist so zerbrechlich. Es braucht Systeme um Sicherheiten zu schaffen. Über kurz oder lang. Flache oder tiefe Konstrukte. Schön können sie sein für den Einen. Fraglich für die Nächste. Strukturierungsmaßnahmen (Zeiten, Räume, Biografien, Kuchenformen) müssen immer hinterfragt werden. Sonst werden sie gefährlich. Sonst kommt jemand - ein Hochstapler und sagt „So ist es!“ und haut auf den Tisch und alle sind froh, dass das ewige Abwägen von Wahrheiten ein Ende hat und man endlich fertig ist. So wie nach dem Laubfegen oder Aufräumen oder wenn man nach der Endlösung sucht und sie findet. Und dann haben Sie alle wieder ihren neuen Führer.

Haltung bewahren im Spannungsfeld zwischen den Wahrheiten und Behauptungen.

Es gibt keine Wahrheit, die standhält. Dazu müsste die Zeit stehen bleiben, aber der Wind bläst und die Steine schießen an den unmöglichsten Ecken aus der Erde.

Haltung = Widerstand
Annäherung = Zustand

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; Foto: Ort des Gegen e.V.

Conference: Counter-Monuments and Para-Monuments

The international conference at HFBK Hamburg on December 2-4, 2021 – jointly conceived by Nora Sternfeld and Michaela Melián –, is dedicated to the history of artistic counter-monuments and forms of protest, discusses aesthetics of memory and historical manifestations in public space, and asks about para-monuments for the present.

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; Foto: Charlotte Spiegelfeld

Diversity

Wer spricht? Wer malt welches Motiv? Wer wird gezeigt, wer nicht? Identitätspolitische Fragen spielen in der Kunst und damit auch an der HFBK Hamburg eine wichtige Rolle. Das hochschuleigene Lerchenfeld-Magazin beleuchtet in der aktuellen Ausgabe Hochschulstrukturen sowie Studierendeninitiativen, die sich mit Diversität und Identität befassen.

Grafik: Tim Ballaschke

Semesterstart

Nach drei Semestern Hybrid-Lehre unter Pandemiebedingungen steht nun endlich wieder ein Präsenz-Semester bevor. Wir begrüßen alle neuen Studierenden und Lehrenden an der HFBK Hamburg und laden herzlich zur Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 ein, die in diesem Jahr von einem Gastvortrag von ruangrupa begleitet wird.

Grafik: Sam Kim, Bild im Hintergrund: Sofia Mascate, Foto: Marie-Theres Böhmker

Graduate Show 2021: All Good Things Come to an End

Vom 24. bis 26. September präsentierten die mehr als 150 Bachelor- und Master-Absolvent*innen des Jahrgangs 2020/21 ihre Abschlussarbeiten im Rahmen der Graduate Show in der HFBK Hamburg. Wir bedanken uns bei allen Besucher*innen und Beteiligten.

Foto: Klaus Frahm

Summer Break

Die HFBK Hamburg befindet sich in der vorlesungsfreien Zeit, viele Studierende und Lehrende sind im Sommerurlaub, Kunstinstitutionen haben Sommerpause. Eine gute Gelegenheit zum vielfältigen Nach-Lesen und -Sehen:

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Seit 2010 organisiert die HFBK das internationale Austauschprogramm Art School Alliance. Es ermöglicht HFBK-Studierenden ein Auslandssemester an renommierten Partnerhochschulen und lädt vice versa internationale Kunststudierende an die HFBK ein. Zum Ende ihres Hamburg-Aufenthalts stellen die Studierenden in den Open Studios in der Karolinenstraße aus, die nun auch wieder für das kunstinteressierte Publikum geöffnet sind.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Vermitteln und Verlernen: Wartenau Versammlungen

Die Kunstpädagogik Professorinnen Nora Sternfeld und Anja Steidinger haben das Format „Wartenau Versammlungen“ initiiert. Es oszilliert zwischen Kunst, Bildung, Forschung und Aktivismus. Ergänzend zu diesem offenen Handlungsraum gibt es nun auch eine eigene Website, die die Diskurse, Gespräche und Veranstaltungen begleitet.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Schule der Folgenlosigkeit

Alle reden über Folgen: Die Folgen des Klimawandels, der Corona-Pandemie oder der Digitalisierung. Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie) dagegen widmet sich der Folgenlosigkeit. In der "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verknüpft er Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten „Selbstlernraum“ so, dass eine neue Perspektive auf „Nachhaltigkeit“ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt werden.

Jahresausstellung 2021 der HFBK Hamburg

Jahresausstellung einmal anders: Vom 12.-14. Februar 2021 hatten die Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg dafür gemeinsam mit ihren Professor*innen eine Vielzahl von Präsentationsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen erschlossen. Die Formate reichten von gestreamten Live-Performances über Videoprogramme, Radiosendungen, eine Telefonhotline, Online-Konferenzen bis hin zu einem Webshop für Editionen. Darüber hinaus waren vereinzelte Interventionen im Außenraum der HFBK und in der Stadt zu entdecken.

Studieninformationstag 2021

Wie werde ich Kunststudent*in? Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren? Kann ich an der HFBK auch auf Lehramt studieren? Diese und weitere Fragen rund um das Kunststudium beantworteten Professor*innen, Studierende und Mitarbeiter*innen der HFBK im Rahmen des Studieninformationstages am 13. Februar 2021. Zusätzlich findet am 23. Februar um 14 Uhr ein Termin speziell für englischsprachige Studieninteressierte statt.

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

Am Abend des 4. Novembers feierte die HFBK die Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 sowie die Verleihung des Hiscox-Kunstpreises im Livestream – offline mit genug Abstand und dennoch gemeinsam online.

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?