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unmodern talking über den Workshop "Queer-cis-pansexuell?“

Space Mix 98

Clara, 4 Jahre, letztens in ihrem Kinderzimmer: Tobsuchtsanfall vor dem Kassettenrecorder. „Bibi Blocksberg, du kleine Hexe, komm und zeig uns was du kannst, wir mögen deine Streiche
wie du hext, wie du lachst, wie du tanzt, komm zu uns, Bibi Blocksberg, sei unser Freund“.
„FREUND-IN,“ brüllt Clara, „FREUNDIN, FREUNDIN, FREUNDIN.“ Was Clara hier so erzürnt, geht den allermeisten Redaktionen, Vortragenden und Schreibenden runter wie Butter: das generische Maskulinum.

Wir haben es bis jetzt vermieden, über das immer wiederkehrende und viel-instrumentalisierte Thema der gendergerechten (und genderneutralen) Sprache zu schreiben. Wir haben es vermieden, nicht, weil wir es für unwichtig halten, sondern weil der feministische Diskurs immer wieder darauf reduziert wird und wir schlichtweg nicht in diese Kerbe schlagen wollten. Gerade in rechten Kreisen (aber bei weitem nicht nur dort!) ist von Genderwahn und Sprachpolizei die Rede oder noch schlimmer von „Sprachvergewaltigern“. Da sind sich selbsternannte Kulturschutzbeauftragte, professorale Dauer-Besorgte, gutbürgerliche Tageszeitungs-Leitartikel und die AfD wiedermal schön einig: Was zu weit geht, geht zu weit und die Interessen einzelner (vermutlich sowieso irgendwie perverser, unnatürlicher Personen) dürfe auf keinen Fall die Integrität und klare Schönheit der geliebten deutschen Sprache bedrohen. Stichprobenartige Google-News Recherche aus den letzten beiden Tagen: Die süddeutsche Zeitung berichtet am 31.10. davon, dass der Verein Deutsche Sprache (Sammelbecken von Wut-und Bildungsbürger_innen mit starkem Rechtsdrall) zum Semesterbeginn an deutschen Hochschulen Flyern verteilt, in denen sie nach „mutigen Studenten“ suchen, die sich in ihnen im Kampf gegen "rechtswidrige sprachpolizeiliche Genderregeln“ anschließen und dazu aufrufen, Lehrende, die ihre Studierenden zum gendern auffordern, vor Gericht anzuzeigen. Am 29.10. titelt das Hamburger Abendblatt: „Gendergerechte Sprache – so verschwendet der Norden Steuern“. Die skandalisierte Schlagzeile meint damit die 50.000 Euro, welche die Kieler Ratsversammlung für ein Konzept für genderegerechte Sprache in der Verwaltung ausgegeben hat. Zum Vergleich: 830 Millionen kostet eine neue Schleusenkammer für den Nord-Ostseekanal, 50 Millionen der Neubau einer 26 km langen Bahnstrecke zwischen Kiel und Schöneberger Strand und mindestens 210 Millionen die Sanierung des Hamburger Kongresscentrums. Ja, auch das alles Steuergelder. Interessant, dass es dann aber die Peanuts-Summe von 50.000 Euro in die Schlagzeile schafft. Auch interessant, dass sich die Wut auf Genderwahn und Sprachpolizei in beiden genannten Beispielen gegen staatlich-demokratische Körper richtet, gegen das Establishment. Bundesländer-Regierungen und Universitäten: in keine der beiden Institutionen legen queer-feministische Communitys große Hoffnung, keine der beiden können als tatsächliche Kompliz_innen einer diskriminierungsfreien Zukunft gesehen werden und doch werden sie in konservativ-rechter Propaganda als Agent_innen linken Gender–Gagas, als von Feministinnen eingeflüsterte Kontroll- und Kulturkampinstrumente stilisiert.

Also zusammenfassend: Ob Bibi Blocksberg, neurechte Thinktanks oder vermeintlich abgehängte Steuerzahlende, denen man nicht nur das rauchen und schnelle Auto fahren, sondern jetzt auch noch das „natürliche“ Sprechen verbieten will – was uns selbst schon so selbstverständlich und naturalisiert vorkommt (Sprache konstituiert Wirklichkeit und in Wirklichkeit will niemand nur „mitgemeint“ sein), ist nach wie vor Aufreger-Thema und deshalb lohnt es sich dann wahrscheinlich doch, sich noch einmal genauer damit auseinander zu setzen.

Am 26.10. haben wir also den Workshop mit dem Titel „Queer-cis-pansexuell?“ von Natalia Sidor und Marleen Wrage besucht, der im Rahmen des Femlab-Festivals stattgefunden hat. Im Workshop wurde in unterschiedlichen Gesprächsformaten und Übungen über Identität und Gruppenzugehörigkeiten gesprochen, aber auch über Privilegien, Inklusion und Sichtbarkeit. Schon in der Vorstellungsrunde wurde klar, dass es bei dem Thema Sprache eben nicht „nur“ um Wörter geht, oder den mehr oder weniger angenehmen Klang eines Satzes, sondern vielmehr um das Bedürfnis und das Recht, wahrgenommen und akzeptiert zu werden, und nicht mehrmals innerhalb eines Satzes daran erinnert zu werden, dass man nicht „der Norm“ entspricht. Das tut das generische Maskulinum: es weist jedes Mal alle nicht-cis-Männer darauf hin, dass sie anders sind, und damit immer auch: defizitär. Mit jeder Ansprache als Teilnehmer, Student, Betrachter, Arbeitnehmer etc. wird für alle nicht-cis-Männer das Abweichen vom Standard erfahrbar, es wird mantrahaft verinnerlicht und festgeschrieben. Jene, die den „Genderwahn“ verteufeln und ihre Redefreiheit bedroht sehen und dabei auch gerne vom neuen „Identitätsterror“ sprechen: sie verteidigen eine Sprache, die nur genau sie selbst beschreibt, eine Sprache, die nur Dualismen kennt, eine Sprache, eindeutig und gewaltvoll wie ein Richtspruch. Die Workshopteilnehmenden am 26.10. wiederum wünschen und versuchen sich an einer Sprache, die ambivalent und beweglich bleibt, eine Sprache, die Bilder und Begriffe findet für Identitäten, Alltagserfahrungen, Selbstbeschreibungen und Gruppenzugehörigkeiten, wie sie längst schon gelebt und probiert werden und für Geschichten, Entwürfe, Zusammenschlüsse und Bezüge, die vorgestellt, gebildet und ausgesprochen werden müssen, um sie Wirklichkeit lassen zu werden.

Natürlich gibt es nicht nur Gendersternchen-Ultras und Genderwahn-Wutbürger_innen; gerade für all jene zwischen den Fronten geben Natalia Sidor und Marleen Wrage in ihrem Workshop konkrete Handreichungen und eine kluge Annäherung an durchmachtete Sprachgefüge. Ob bürokratisches Formular, Instagram-Story, Geburtstagseinladung, das Referat an der Uni oder die E-mail ans Team: Es sind oft nur Kleinigkeiten, die überdacht, ausgetauscht, markiert und umformuliert werden müssen, um sich um gendersensibel und inklusiv an alle zu richten. Sidor und Wrage machen ihren eigenen Lernprozess transparent und laden alle Teilnehmenden dazu ein, mitzulernen, weiter zu fragen und sich einfühlsam und herausfordernd genau damit auseinanderzusetzen, was wir Feminist_innen nach Meinung vieler so gerne mit Füßen treten: Sprache.

Annette Wehrmann, photography from the series Blumensprengungen, 1991-95; Foto: Ort des Gegen e.V.

Conference: Counter-Monuments and Para-Monuments

The international conference at HFBK Hamburg on December 2-4, 2021 – jointly conceived by Nora Sternfeld and Michaela Melián –, is dedicated to the history of artistic counter-monuments and forms of protest, discusses aesthetics of memory and historical manifestations in public space, and asks about para-monuments for the present.

23 Fragen des Institutional Questionaire, grafisch umgesetzt von Ran Altamirano auf den Türgläsern der HFBK Hamburg zur Jahresausstellung 2021; Foto: Charlotte Spiegelfeld

Diversity

Wer spricht? Wer malt welches Motiv? Wer wird gezeigt, wer nicht? Identitätspolitische Fragen spielen in der Kunst und damit auch an der HFBK Hamburg eine wichtige Rolle. Das hochschuleigene Lerchenfeld-Magazin beleuchtet in der aktuellen Ausgabe Hochschulstrukturen sowie Studierendeninitiativen, die sich mit Diversität und Identität befassen.

Grafik: Tim Ballaschke

Semesterstart

Nach drei Semestern Hybrid-Lehre unter Pandemiebedingungen steht nun endlich wieder ein Präsenz-Semester bevor. Wir begrüßen alle neuen Studierenden und Lehrenden an der HFBK Hamburg und laden herzlich zur Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 ein, die in diesem Jahr von einem Gastvortrag von ruangrupa begleitet wird.

Grafik: Sam Kim, Bild im Hintergrund: Sofia Mascate, Foto: Marie-Theres Böhmker

Graduate Show 2021: All Good Things Come to an End

Vom 24. bis 26. September präsentierten die mehr als 150 Bachelor- und Master-Absolvent*innen des Jahrgangs 2020/21 ihre Abschlussarbeiten im Rahmen der Graduate Show in der HFBK Hamburg. Wir bedanken uns bei allen Besucher*innen und Beteiligten.

Foto: Klaus Frahm

Summer Break

Die HFBK Hamburg befindet sich in der vorlesungsfreien Zeit, viele Studierende und Lehrende sind im Sommerurlaub, Kunstinstitutionen haben Sommerpause. Eine gute Gelegenheit zum vielfältigen Nach-Lesen und -Sehen:

ASA Open Studio 2019, Karolinenstraße 2a, Haus 5; Foto: Matthew Muir

Live und in Farbe: die ASA Open Studios im Juni 2021

Seit 2010 organisiert die HFBK das internationale Austauschprogramm Art School Alliance. Es ermöglicht HFBK-Studierenden ein Auslandssemester an renommierten Partnerhochschulen und lädt vice versa internationale Kunststudierende an die HFBK ein. Zum Ende ihres Hamburg-Aufenthalts stellen die Studierenden in den Open Studios in der Karolinenstraße aus, die nun auch wieder für das kunstinteressierte Publikum geöffnet sind.

Studiengruppe Prof. Dr. Anja Steidinger, Was animiert uns?, 2021, Mediathek der HFBK Hamburg, Filmstill

Vermitteln und Verlernen: Wartenau Versammlungen

Die Kunstpädagogik Professorinnen Nora Sternfeld und Anja Steidinger haben das Format „Wartenau Versammlungen“ initiiert. Es oszilliert zwischen Kunst, Bildung, Forschung und Aktivismus. Ergänzend zu diesem offenen Handlungsraum gibt es nun auch eine eigene Website, die die Diskurse, Gespräche und Veranstaltungen begleitet.

Ausstellungsansicht "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg; Foto: Maximilian Schwarzmann

Schule der Folgenlosigkeit

Alle reden über Folgen: Die Folgen des Klimawandels, der Corona-Pandemie oder der Digitalisierung. Friedrich von Borries (Professor für Designtheorie) dagegen widmet sich der Folgenlosigkeit. In der "Schule der Folgenlosigkeit. Übungen für ein anderes Leben" im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg verknüpft er Sammlungsobjekte mit einem eigens für die Ausstellung eingerichteten „Selbstlernraum“ so, dass eine neue Perspektive auf „Nachhaltigkeit“ entsteht und vermeintlich allgemeingültige Vorstellungen eines „richtigen Lebens“ hinterfragt werden.

Jahresausstellung 2021 der HFBK Hamburg

Jahresausstellung einmal anders: Vom 12.-14. Februar 2021 hatten die Studierenden der Hochschule für bildende Künste Hamburg dafür gemeinsam mit ihren Professor*innen eine Vielzahl von Präsentationsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Kommunikationskanälen erschlossen. Die Formate reichten von gestreamten Live-Performances über Videoprogramme, Radiosendungen, eine Telefonhotline, Online-Konferenzen bis hin zu einem Webshop für Editionen. Darüber hinaus waren vereinzelte Interventionen im Außenraum der HFBK und in der Stadt zu entdecken.

Studieninformationstag 2021

Wie werde ich Kunststudent*in? Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren? Kann ich an der HFBK auch auf Lehramt studieren? Diese und weitere Fragen rund um das Kunststudium beantworteten Professor*innen, Studierende und Mitarbeiter*innen der HFBK im Rahmen des Studieninformationstages am 13. Februar 2021. Zusätzlich findet am 23. Februar um 14 Uhr ein Termin speziell für englischsprachige Studieninteressierte statt.

Katja Pilipenko

Semestereröffnung und Hiscox-Preisverleihung 2020

Am Abend des 4. Novembers feierte die HFBK die Eröffnung des akademischen Jahres 2020/21 sowie die Verleihung des Hiscox-Kunstpreises im Livestream – offline mit genug Abstand und dennoch gemeinsam online.

Ausstellung Transparencies mit Arbeiten von Elena Crijnen, Annika Faescke, Svenja Frank, Francis Kussatz, Anne Meerpohl, Elisa Nessler, Julia Nordholz, Florentine Pahl, Cristina Rüesch, Janka Schubert, Wiebke Schwarzhans, Rosa Thiemer, Lea van Hall. Betreut von Prof. Verena Issel und Fabian Hesse; Foto: Screenshot

Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Alltagsrealität oder Klischee?; Foto: Tim Albrecht

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Ausstellung Social Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Teilansicht; Foto: MKG Hamburg

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?