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Symposium: Individuality/Dividuation: An Epistemological Perspective

Die kritischen Epistemologien der Gegenwart lehren uns, dass die heutige im Entstehen begriffene Welt als erweitertes »Relativitätsprinzip« verstanden werden muss, welches uns dazu zwingt, verschiedene Perspektiven einzunehmen und Veränderungen auf der biologischen, soziologischen, kulturellen und künstlerischen Ebene zu beobachten. Während mikroskopische Untersuchungen zeigen, dass nicht-menschliche Organismen an unserer psychophysischen Konstitution mitwirken, sind wir auf der makroskopischen Ebene ausgesprochen intensive Teilhaber an technologischen und sozialen Medien, und es kommt zwangsläufig zu Überschneidungen mit kulturell vielfältigen Gesellschaften. Wir möchten daher vor diesem Hintergrund die Frage stellen, ob wir uns immer noch als Individuen, als ungeteilte Entitäten verstehen sollten. Wäre es nicht sinnfälliger, wenn wir uns als Schnittmengen verschiedener Teilhabeformen d.h. spezifischer Dividuationen betrachten würden? Dividuation würde in diesem Zusammenhang als ein uneindeutiger Begriff für sowohl unsere freiwillige Teilhabe als auch unsere unfreiwilligen Anbindungen funktionieren, die neue Formen einer Moderation unseres Selbst erforderlich machen. Auf unserem Symposium möchten wir diese zwiespältigen Prozesse aus der Sicht von Kulturwissenschaft, Medienanthropologie, Menschenrechten und Aspekten der Kunst näher beleuchten.

Dienstag, 11. Juli 2017

11.00 Uhr
Begrüßung
Michaela Ott (Professorin für Ästhetische Theorien, HFBK Hamburg)

11.15 Uhr
Foucault, Race, and Racism
Rey Chow (Professorin für Literatur, Trinity College of Arts & Sciences, Duke University, Durham)

Wenn es um Foucault und Aspekte von ‚Rasse’ geht, wird man schnell als Verfechter des Eurozentrismus kritisiert – das liegt daran, dass Foucaults Perspektive in ihrer Beschränktheit auf europäische Kulturen andere Teile der Welt außen vor lässt. In diesem Vortrag sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie Foucaults Relevanz für die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Rassebegriff genutzt werden kann, ohne unvermeidlich in das Fahrwasser dieser geopolitisch festgelegten Form der Kritik zu geraten. Vielmehr wird der Versuch unternommen Foucaults so wichtige Frage erneut zu stellen: »Was genau ist Rassismus?«
Moderation: Ulrike Bergermann (Professorin für Medienwissenschaften, Hochschule für bildende Künste Braunschweig)

12.30 Uhr
I Is Another. The End of the Individual
Martin Burckhardt (Autor und Kulturtheoretiker, Berlin)

Der Begriff der Individualität, der bis zur Erfindung der Zentralperspektive zurückreicht, ist gemeinsam mit der Maßgabe der künstlerischen Darstellung obsolet geworden. Martin Burckhardt analysiert auf der Grundlage der Formel, die der Schöpfer der binären Logik George Boole Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt hat, die Metempsychose, die die Selbstauffassung in der Gegenwart durchlaufen hat.
Moderation: Michaela Ott

13.15 Uhr
Pause

14.30 Uhr
To name and to claim: human rights beyond the individual
Thomas Keenan (Direktor des Menschenrechte-Projekts, Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft, Bard College, New York)

Menschenrechte sollten besser als Anforderungen verstanden werden und nicht als etwas das wir besitzen. Jede kritische Betrachtung von Rechten muss mit der Formulierung eines Anspruchs beginnen, d.h. mit einer Benennung und einem Vergleich. Wenn wir unsere Rechte verkünden, benennen wir nicht nur uns selbst, sondern auch, wer wir als Gemeinschaft sind und was wir gemeinsam haben. Wie du bin ich ein menschliches Wesen; oder ‚Sind wir nicht menschlich?’. Offenkundig versteht sich das nicht von selbst, daher bedarf es der Darlegung von Beweisen – für Andere, für die Gegenzeichner. Dies eröffnet eine andere Betrachtung der umstrittenen Vorstellungen von »Individualismus« und von »Universalität«. Wenn ich ein Recht einfordere, kann ich dies nicht nur für mich alleine tun – Menschenrechte sind immer Rechte einer Gemeinschaft, das heißt auch, dass sie immer geteilt und nicht garantiert sind.
Moderation: Peter Müller (Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Graduiertenkolleg Ästhetiken des Virtuellen, HFBK Hamburg)

15.30 Uhr
SFAI – from inside out. Art, education, individual experience, collective adaptation
Gordon Knox (Ethnologe, Präsident San Francisco Art Institute)

Dieser Vortrag nimmt ein konkretes und zeitspezifisches soziologisches Objekt als Ausgangspunkt und zerlegt es in seine zentralen Werte, Zielsetzungen und Auffassungen, wie sie sich aus der Spannung zwischen Vorstellungen von Individualität und der Realität des Angewiesenseins der Menschheit auf das Kollektive ergeben. Das Objekt ist eine 146 Jahre alte Kunstschule in Kalifornien. Als soziologisches Objekt dient es der generationenübergreifenden Vermittlung von Wissen, der Stärkung individueller Wissensformen und der kollektiven Wirkung kommunizierter komplexer Erkenntnisse. Nutzer solcher Einrichtungen müssen sich der Tatsache bewusst sein, dass wir in von uns selbst geschaffenen Bedeutungsnetzen gefangen sind, die uns individuell bestimmen und es uns als Kollektiv erlauben, uns an einen sich verändernden Planeten anzupassen. Wir sind unsere Zukunft, und Kunstschulen sind in diesem Zusammenhang wesentlich.
Moderation: Michaela Melián (Professorin für Mixed Media / Akustik, HFBK Hamburg) 

Veranstaltungsort: HFBK Hamburg, Lerchenfeld 2, Aula
Vortragssprache: Englisch

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