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Dr. phil. in art. Frank Wörler

Das Symbolische, das Imaginäre und das Reale. Lacans drei Ordnungen als erkenntnistheoretisches Modell

Betreuung: Prof. Dr. Hans-Joachim Lenger, Prof. Dr. Michaela Ott
Disputation am 16.10.2014

War die Lacan-Rezeption hierzulande zunächst von einer literaturwissenschaftlichen Perspektive bestimmt, gibt es in jüngerer Zeit vermehrt Ansätze, die Theoriefiguren des französischen Psychoanalytikers in Bezug auf eine allgemeinere Diskursgeschichte zu interpretieren und ihre Referenzen zu befragen.

In dieses Forschungsbemühen reiht sich mein Promotionsprojekt ein, das einen kleinen Ausschnitt aus der Lacan'schen Lehre – seine Trias aus einem Symbolischen, einem Imaginären und einem Realen –, dezidiert zum Zeitpunkt der ersten Ausformulierung, zum Anlass nimmt, wichtige Bezugnahmen des Analytikers zu recherchieren und zu rekonstruieren.

Diese Bezüge verweisen auf ein allgemeines erkenntnistheoretisches Interesse Lacans, der sich, um seine Seminare auf der intellektuellen Höhe seiner Zeit zu halten, einer Vielzahl fachfremder Konzepte bedient. Zusammen genommen helfen diese beliehenen Begrifflichkeiten, die psychoanalytische Theorie dreier »Register« besser zu verstehen. Darüber hinaus zeichnet sich aber auch ein Bild ab, welches diese Trias innerhalb eines die Disziplinen überspannenden Disputs über mögliche Formen wissenschaftlicher Erkenntnis situiert.

Vortragende sind in dieser Diskussion Ernst Cassirer, der im Rückgriff auf Hermann von Helmholtz einen naturwissenschaftlichen Anker wirft, um das Symbolische zu situieren, des weiteren Jakob von Uexküll, der als Biologe die fundamentale Frage des Beobachters aufwirft. In Bezug auf die irisierende Funktion des Imaginären findet sich beim frühen Franz Brentano der psychologisch gesetzte Begriff der Intentionalität, welcher für die Phänomenologen Jean-Paul Sartre und Maurice Merleau-Ponty den Ausgangspunkt ihrer Begriffe eines Imaginären und eines Realen bildet. Ob etwas imaginär oder real sei – diese Frage hat eine lange Tradition in der abendländischen Philosophiegeschichte, doch sie bricht sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in neuen Spektren. Der Epistemologe Émile Meyerson erörtert – mithin seinem bekannter gewordenen Schüler Thomas Kuhn den Weg bereitend – verschiedene Erkenntnistypen. Das Reale ist für ihn eine spezifische Art und Weise des Weltzugangs. Meyerson greift die Bergson'sche Wissenschaftskritik auf und verbindet sie mit einer geschichtlichen Analyse, die sich entschieden gegen das Comte'sche Diktum (wissenschaftlicher Sinn-Abstinenz) stellt, womit sich ein argumentativer Kreis im 19. Jahrhundert schließt: an jenem Ausgangspunkt symbolisch dominierter Wissenschaftspraxis, die im naturwissenschaftlichen Feld von Helmholtz formuliert wurde.

Die immer wiederkehrende Auseinandersetzung mit Henri Bergson ist bezeichnend für die epistemologische Debatte im Frankreich des 20. Jahrhunderts, in welcher auch Lacan seinen Platz einnimmt. Die Überprüfung der zusammengetragenen Bestimmungen eines Symolischen, eines Imaginären und eines Realen erfolgt in meiner Dissertation jedoch in Diskussion mit einem amerikanischen Logiker: Charles Peirce.

Als vorläufiges Ergebnis meiner Recherche biete ich eine epistemologische Trias an, die sich nicht allein auf die psychoanalytische Praxis bezieht, sondern sogar losgelöst von dieser spezifischen Theorie Rückhalt in zahlreichen Denkfiguren erkenntnistheoretisch motivierter Philosophen und Wissenschaftler findet. Die Frage ist, ob mit einem Symbolischen, einem Imaginären und einem Realen nicht allgemeine funktionale Prinzipien des Erkennens beschrieben sind. Können diese als epistemologisches Werkzeug helfen, aktuelle erkenntnistheoretische Fragestellungen zu sondieren?

Die Dissertation ist im September 2015 im transcript verlag, Bielefeld, erschienen: http://www.transcript-verlag.de/978-3-8376-3261-3/das-symbolische-das-imaginaere-und-das-reale

Kontakt: f.woerler@web.de

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