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Dr. phil. in art. Maja Bogumila Hoffmann

(Die) Abweichung

Betreuung: Prof. Dr. Michaela Ott, Zweitgutachterin: Prof. Michaela Melián
Disputation am 11. Juli 2018

Als grundlegend kritische Größe gedacht, markiert (die) Abweichung weder bloße Variation noch ein rein Hinzutretendes. Sie zu sehen und anzuerkennen, bedeutet deshalb eine immer wieder neu anzusetzende, auch politische Arbeit und wiederholte Anstrengung.

Erneut werden Stimmen nach einem endgültigen Wahrheits- und Machtanspruch laut, die der wachsenden Komplexität gesellschaftlicher Verhältnisse in keiner Weise entsprechen. Angesichts dieser Problematik bedarf es einer Denkfigur, die dem identitären Denken eine ununterbrochene Verschiebung entgegenstellen kann. Mittels Rekonstruktion gewisser historischer Philosopheme hat sich die philosophisch-künstlerische Promotion deshalb zur Aufgabe gemacht, den Begriff der Abweichung als eine Differenz schaffende und gegenwartsrelevante Größe hervorzukehren, welche die nicht antizipierbaren Ereignisse der Alteration zu artikulieren erlaubt, ohne aus dem Nichts zu schöpfen oder teleologisch vorzugreifen. In diesem Sinne ist es an der Zeit, (die) Abweichung in ihrer Ereignishaftigkeit sowie Widerspenstigkeit als eine generative Figur hervorkehren zu lassen, die der Selbstidentität des Seienden eine konstitutive (Selbst)Verschobenheit des Seins entgegenstellen kann und damit ein anderes Denken kultureller Entwicklung unterstreicht. Insofern geht es hier um nichts weniger, als um die Notwendigkeit des Denkens der Abweichung selbst, sodass Etwas, etwas Neues werden kann.

Den künstlerischen Teil der Promotion bildet das Theaterstück "Meta-Pipton", das den philosophischen Part unterbricht, um sich sogleich von diesem selbst unterbrechen zu lassen. Der zugleich virtuelle wie strukturelle Ereignischarakter des theatralischen Textes bietet einen anderen Ermöglichungsrahmen, um das weiter Gedachte qua performativer Praxis zu erproben und in affizierende Wechselwirkungen zu setzen. So geht es auch hier um Sondierungen inhärenter Möglichkeiten als einer Bewegung fort von der Selbstidentität des Seienden und damit (auch wörtlich) um Sprünge und Vertiefungen, um Diskontinuitäten und innere Spannungen – um dennoch in der Wucht der permanenten Bewegung zu nicht identischen Momenten zu kommen. Die Immanenz dieses Prozesses zeigt sich andererseits aber auch als Überforderung des theatralen Subjekts, der angesichts der Völle der dynamischen Verquirlung des metapipton auch mal erschöpft zu Boden fällt, um dann doch nach einem Federvieh zu greifen, das ebendarum entfeucht, weil es gepackt werden soll.

Die Dissertation erschien im November 2019 im Passagen Verlag Wien, online hier.

Zur Person:

Maja Bogumila Hoffmann, geboren in Danzig, lebt und arbeitet als bildende Künstlerin, Autorin, Kuratorin und Denkerin in Hamburg. Studium der Deutschen Literatur, Kunstgeschichte und Medienkultur (Schwerpunkt Film) an der Universität Hamburg sowie der Freien Kunst und der Visuellen Kommunikation an der HFBK Hamburg (Diplom 2007). Von 2010 bis 2013 als wiss. Mitarbeiterin im Fachbereich Theorie und Geschichte an der HFBK Hamburg tätig. Seit 2011 Mitglied der International Associaton for Aesthetics.

Kontakt:
maja.b.hoffmann@hotmail.com

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