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Die Tresen-Kolumne: Jesus und der Rechtsstaat

Jesus und der Rechtsstaat

Gregor Gysi postete heute, pünktlich zu Ostern, ein Bild von ihm vor der Grabeskirche in Jerusalem. Der Text ungefähr aus der Erinnerung: Jesus würde natürlich die Linke wählen heute, denn er war schon immer ein kritischer Linker. Es sind wirklich finstere Zeiten, wenn sich selbst gestandene Linke wieder positiv auf Jesus oder andere religiöse Personen oder Sachverhalte berufen müssen, wo das Schlimmste, das uns?! (wahrscheinlich dem als humanistisch imaginierten Europa) scheinbar passieren kann, eine brennende Kirche ohne Verletzte ist, die größte Errungenschaft des Jahres, das gefeierte Grundgesetz ist und die Fridays for Future Bewegung sich mit der Forderung nach einer Klimasteuer begnügt. Es erscheint mir so, als herrsche eine allgemeine Zukunftsfeindlichkeit in denjenigen gesellschaftlichen Diskursen, die es in die Öffentlichkeit schaffen. Mit pastoraler Inbrunst wird auf die kleinen Siege verwiesen, die Freiheit der Kunst zum Beispiel, die ja, wie wir alle wissen, eine Gesellschaft erst lebenswert macht und immer wieder: Der Rechtsstaat. Das ist ein sehr deutsches Konstrukt, dieser Rechtsstaat und ideologisch ein ziemliches Husarenstück. Wenn zum Beispiel wie neulich anlässlich des Polizeikongresses in Berlin der Sprecher des Innenministeriums sich für ein Verbot des Anonymisierungsdienstes Tor ausspricht mit der Begründung, in einem Rechtsstaat gäbe es keinen legitimen Grund sich zu verstecken, dann ist es mit der Freiheit der Kunst auch nicht weit her. Die Freiheit der Kunst gilt halt auch nur solange bis irgendwer was falsches sagt. Gerade passiert, und wohl auch gerade zum Glück wieder vom Tisch, beim (selbst auch wahnsinnig pastoralen) Zentrum für politische Schönheit, gegen das plötzlich wegen Gründung einer kriminellen Vereinigung ermittelt wurde. Das erinnert mich an das altes Lied, interpretiert von Hannes Wader auf der Platte Hannes Wader singt Arbeiterlieder: Trotz alledem und alledem, trotz Grundgesetz und alledem, drückt man uns mit Berufsverbot, die Gurgel zu, trotz alledem.

https://rhizome.hfbk.net/p/169572


Digitale Lehre an der HFBK

Wie die Hochschule die Besonderheiten der künstlerischen Lehre mit den Möglichkeiten des Digitalen verbindet.

Aktuelle Beiträge auf rhizome.hfbk.net

rhizome.hfbk.net ist das soziale Netzwerk der HFBK. Es eröffnet ein digitales Forum für Austausch und Diskussion, in dem Studierende, Lehrende, Gastautor*innen, Kunstkritiker*innen und die interessierte Öffentlichkeit für ein breites Spektrum an Inhalten und Sichtweisen sorgen. Hier finden sich Ausstellungsbesprechungen, eine regelmäßige Kunstpresseschau, literarische Texte sowie Berichte von Vorträgen und Symposien.

Absolvent*innenstudie der HFBK

Kunst studieren – und was kommt danach? Die Klischeebilder halten sich standhaft: Wer Kunst studiert hat, wird entweder Taxifahrer, arbeitet in einer Bar oder heiratet reich. Aber wirklich von der Kunst leben könnten nur die wenigsten – erst Recht in Zeiten globaler Krisen. Die HFBK Hamburg wollte es genauer wissen und hat bei der Fakultät der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg eine breit angelegte Befragung ihrer Absolventinnen und Absolventen der letzten 15 Jahre in Auftrag gegeben.

Jahresausstellung 2020 an der HFBK Hamburg

Zur Jahresausstellung der HFBK Hamburg präsentieren rund 800 Studierende drei Tage lang ein breites Spektrum künstlerischer Arbeiten: von Film und Fotografie über Performance, Skulptur und Malerei bis hin zu Raum- und Soundinstallationen sowie Designentwürfen. Besucherinnen und Besucher sind herzlich eingeladen, sich ein Bild von den aktuellen Produktionen der Hochschule.

Wie politisch ist Social Design?

Social Design, so der oft formulierte eigene Anspruch, will gesellschaftliche Missstände thematisieren und im Idealfall verändern. Deshalb versteht es sich als gesellschaftskritisch – und optimiert gleichzeitig das Bestehende. Was also ist die politische Dimension von Social Design – ist es Motor zur Veränderung oder trägt es zur Stabilisierung und Normalisierung bestehender Ungerechtigkeiten bei?